Wer bekommt ein Medikament gegen Adipositas verschrieben und warum kann der Arzt das Rezept verweigern?

Der Arzt kann Erwachsenen ein Medikament gegen Adipositas verschreiben, wenn ihr BMI mindestens 30 beträgt oder wenn er zwischen 27 und 29,9 liegt und bereits eine gewichtsbedingte Erkrankung vorliegt, zum Beispiel Bluthochdruck, Prädiabetes oder Fettstoffwechselstörungen. Nach den Empfehlungen der Polnischen Gesellschaft für Adipositasbehandlung (PTLO) von 2024 schlägt der Arzt ein Medikament vor, wenn Ernährungsumstellung und mehr Bewegung nicht ausreichend geholfen haben (1). Das Rezept stellt der Arzt in der Praxis oder online aus, nachdem er Gegenanzeigen ausgeschlossen hat. Er kann es verweigern, wenn das Medikament nicht sicher wäre, wenn der Patient ein Präparat verlangt, das nicht zur Adipositasbehandlung zugelassen ist, oder wenn zuerst die Ursache der Gewichtszunahme geklärt werden muss. Mit dem ersten Rezept ist die Behandlung nicht abgeschlossen. In den folgenden Monaten steigert der Arzt bei Kontrollterminen schrittweise die Dosis und prüft, ob das Medikament wirkt und ob der Patient es gut verträgt.

Eine Blutdruckmanschette am Oberarm, ein Blutdruckmessgerät mit leerem Display und ein aufgeklappter Laptop auf einem weißen Tisch

Kurz gesagt

  • Ob ein Medikament infrage kommt, entscheidet der BMI zu Beginn der Behandlung: ab 30 oder ab 27 mit mindestens einer gewichtsbedingten Erkrankung. Übergewicht allein ohne eine solche Erkrankung reicht nicht aus.
  • Bevor das Rezept ausgestellt wird, müssen Sie mit dem Arzt unter anderem über eine Schwangerschaft oder einen Kinderwunsch, eine frühere Bauchspeicheldrüsenentzündung sowie schwere Nieren-, Leber- und Herzerkrankungen sprechen. Wer wegen einer Alkoholabhängigkeit mit Naltrexon behandelt wird, darf keine Tabletten mit Naltrexon und Bupropion einnehmen.
  • Der Arzt kann ablehnen, wenn BMI und Erkrankungen die Kriterien nicht erfüllen, wenn das Medikament gefährlich wäre oder wenn zuerst die Ursache der Gewichtszunahme geklärt werden muss. Fragen Sie dann, was sich ändern müsste.
  • Ein E-Rezept aus einer Online-Sprechstunde ist genauso gültig wie ein Rezept aus der Praxis. Die Dosis wird schrittweise gesteigert, und ob das Medikament wirkt, beurteilt der Arzt erst nach einigen Monaten. Bei Semaglutid geschieht das nach 3 Monaten mit der Dosis von 2,4 mg.

Wer bekommt ein Medikament gegen Adipositas verschrieben?

Haben Ernährung und Bewegung nicht ausreichend geholfen, kann der Arzt Erwachsenen ein Medikament vorschlagen: bei einem BMI von mindestens 30 oder bei einem BMI von 27 bis 29,9 und mindestens einer gewichtsbedingten Erkrankung. Genau ab diesen BMI-Werten sind Semaglutid, Tirzepatid, Liraglutid sowie die Kombination aus Naltrexon und Bupropion zur Adipositasbehandlung zugelassen (2, 3, 4, 5).

Bei einer Körpergröße von 170 cm entspricht ein BMI von 30 etwa 87 kg, ein BMI von 27 etwa 78 kg. Der Arzt misst auch den Taillenumfang, weil er hilft, eine bauchbetonte Adipositas zu erkennen und das Risiko von Folgeerkrankungen einzuschätzen. Ob ein Medikament angezeigt ist, entscheidet jedoch der BMI.

Reicht Übergewicht allein für ein Medikament gegen Adipositas?

Nein, Übergewicht allein reicht nicht aus. Bei einem BMI von 25 bis 26,9 verschreibt der Arzt kein Medikament gegen Adipositas, denn diese Medikamente sind erst ab einem BMI von 27 zugelassen. Bei einem BMI von 27 bis 29,9 kommt ein Medikament nur infrage, wenn eine gewichtsbedingte Erkrankung vorliegt. Welche Erkrankungen als Beispiele genannt werden, unterscheidet sich je nach Medikament etwas.

Wirkstoff (Handelsname)Beispiele für Erkrankungen, bei denen das Medikament schon bei einem BMI von 27-29,9 verschrieben werden kann
Semaglutid 2,4 mg (Wegovy), Tirzepatid (Mounjaro)Prädiabetes oder Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, obstruktive Schlafapnoe, Herz-Kreislauf-Erkrankung
Liraglutid 3 mg (Saxenda)Prädiabetes oder Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, obstruktive Schlafapnoe
Naltrexon/Bupropion (Mysimba)Typ-2-Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, gut eingestellter Bluthochdruck

Prädiabetes und Fettstoffwechselstörungen verursachen meist keine Beschwerden und fallen erst bei Blutuntersuchungen auf. Deshalb veranlasst der Arzt Untersuchungen und misst den Blutdruck, bevor er über ein Medikament entscheidet. Was untersucht wird und wozu, erklären wir im Artikel über Untersuchungen vor der Adipositasbehandlung.

Muss man vor einem Adipositas-Medikament erst Diät und Bewegung ausprobieren?

Meistens ja, auch wenn das nicht immer ein halbes Jahr dauern muss. Wer noch keine Behandlung mit Ernährungsumstellung und Bewegung versucht hat, beginnt damit. Ist das Körpergewicht nach 3-6 Monaten nicht um mindestens 5% gesunken, spricht der Arzt mit dem Patienten über ein Medikament. Sofort infrage kommen kann ein Medikament, wenn der Patient Ernährung und Bewegung schon früher ohne Erfolg versucht hat oder wenn Erkrankungen vorliegen, die das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Bei einem BMI von 40 und mehr zieht der Arzt von Anfang an sowohl ein Medikament als auch eine Adipositasoperation in Betracht (1). Notieren Sie deshalb vor dem Termin Ihre bisherigen Abnehmversuche: welche Diäten, wie lange, wie viele Kilogramm Sie abgenommen haben und wann Sie wieder zugenommen haben.

Setzt der Arzt das Medikament ab, wenn der BMI unter 30 fällt?

Nein. Sinkt der BMI unter 30, ist das kein Grund, das Medikament abzusetzen, denn die BMI-Grenze gilt nur für den Beginn der Behandlung. Das Medikament wird so lange angewendet, wie es nötig und wirksam ist und gut vertragen wird. Eine Behandlung von weniger als 6 Monaten wird nicht empfohlen. Die Studie STEP 1 hat auch untersucht, was nach dem Absetzen geschieht. Teilnehmer, die nach 68 Wochen die Behandlung mit Semaglutid und das Programm zur Änderung des Lebensstils beendet hatten, nahmen innerhalb eines Jahres etwa zwei Drittel des verlorenen Gewichts wieder zu (6). Wie Sie sich darauf vorbereiten, beschreiben wir im Artikel über das Absetzen eines Medikaments gegen Adipositas.

Welcher Arzt darf ein Medikament gegen Adipositas verschreiben?

Ein Medikament gegen Adipositas kann der Hausarzt verschreiben, ebenso ein Internist, Diabetologe, Endokrinologe oder ein Arzt, der sich auf die Adipositasbehandlung spezialisiert hat. Nach den polnischen Empfehlungen kann der Hausarzt die Adipositasbehandlung selbst planen und übernehmen, auch mit Medikamenten (1). In unserem Ratgeber, wie man mit einer Adipositasbehandlung beginnt, lesen Sie, zu wem Sie gehen und wie Sie sich auf den ersten Termin vorbereiten.

Der Arzt verschreibt nur ein Medikament, das zur Adipositasbehandlung zugelassen ist. Medikamente, die für andere Krankheiten zugelassen sind, etwa für Diabetes, sollten bei Adipositas nicht angewendet werden. Welches Medikament es wird, entscheidet der Arzt gemeinsam mit dem Patienten und berücksichtigt dabei Begleiterkrankungen, Gegenanzeigen, die Art der Anwendung und die Kosten. Keines dieser Medikamente wird bei Adipositas erstattet, deshalb zahlt der Patient in der Apotheke den vollen Preis, unabhängig davon, wer das Rezept ausgestellt hat (7).

Ist ein E-Rezept für ein Adipositas-Medikament aus einer Online-Sprechstunde gültig?

Ja, ein E-Rezept nach einer Online-Sprechstunde ist genauso gültig wie ein Rezept aus der Praxis. Das polnische Gesetz über die Berufe des Arztes und Zahnarztes (ustawa o zawodach lekarza i lekarza dentysty) erlaubt es, den Gesundheitszustand des Patienten nicht nur bei einer persönlichen Untersuchung zu beurteilen, sondern auch aus der Ferne oder anhand der medizinischen Dokumentation (8).

In der Online-Sprechstunde stützt sich der Arzt auf die Befunde und Messwerte, die der Patient übermittelt hat. Fehlt etwas oder sind Ergebnisse unklar, kann er um zusätzliche Untersuchungen oder einen Termin vor Ort in der Praxis bitten.

Welche Gegenanzeigen muss der Arzt vor dem Verschreiben eines Adipositas-Medikaments ausschließen?

Semaglutid, Tirzepatid und Liraglutid haben nur eine Gegenanzeige: eine Allergie gegen das Medikament (2, 3, 4). Es gibt jedoch Situationen, in denen das Medikament nicht empfohlen wird oder nur mit Vorsicht angewendet wird. Naltrexon/Bupropion hat eine deutlich längere Liste von Gegenanzeigen. Bevor der Arzt eines dieser Medikamente verordnet, prüft er außerdem, ob es Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten gibt, die der Patient einnimmt.

Wonach fragt der Arzt, bevor er Spritzen mit Semaglutid, Tirzepatid oder Liraglutid verschreibt?

Vor Beginn der Behandlung müssen Sie mit dem Arzt über Situationen sprechen, in denen diese Medikamente nicht empfohlen werden oder vorsichtig angewendet werden müssen:

  • Schwangerschaft, Kinderwunsch und Stillzeit. Semaglutid wird mindestens 2 Monate vor einer geplanten Schwangerschaft abgesetzt, Tirzepatid mindestens einen Monat vorher und Liraglutid schon, wenn eine Schwangerschaft geplant wird. Semaglutid und Liraglutid werden in der Stillzeit nicht angewendet; eine Behandlung mit Tirzepatid kann der Arzt in dieser Zeit in Erwägung ziehen.
  • Frühere Bauchspeicheldrüsenentzündung. Sie ist keine Gegenanzeige, aber Semaglutid und Tirzepatid werden dann mit Vorsicht angewendet. Tritt während der Behandlung eine Bauchspeicheldrüsenentzündung auf und wird sie bestätigt, darf das Medikament nicht erneut angewendet werden.
  • Schwere Nieren-, Leber- oder Herzinsuffizienz. Semaglutid und Liraglutid werden bei schwerer Nieren- oder Leberfunktionsstörung und bei Herzinsuffizienz im schwersten Stadium (Klasse IV) nicht empfohlen, weil keine Daten zu ihrer Sicherheit vorliegen. Tirzepatid wird bei schweren Nieren- und Lebererkrankungen mit Vorsicht angewendet. Semaglutid wird außerdem bei Typ-1-Diabetes nicht empfohlen.
  • Magenlähmung und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen. Semaglutid wird bei schwerer Magenlähmung (Gastroparese) nicht empfohlen, Liraglutid bei diabetischer Gastroparese und bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Bei Tirzepatid erfordern schwere Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts Vorsicht.
  • Insulin oder ein Sulfonylharnstoff zur Diabetesbehandlung. Diese Medikamente schließen ein Medikament gegen Adipositas nicht aus, aber der Arzt kann ihre Dosis verringern, um das Risiko einer Unterzuckerung zu senken. Bei unkontrollierter oder instabiler diabetischer Retinopathie wird Semaglutid nicht empfohlen.
  • Ein anderes Medikament gegen Adipositas. Zwei Medikamente gegen Adipositas werden nicht kombiniert.
  • Alter ab 75 Jahren und sekundäre Adipositas. Liraglutid wird bei Menschen ab 75 Jahren nicht empfohlen und auch dann nicht, wenn die Adipositas auf eine Hormonerkrankung, eine Essstörung oder auf Medikamente zurückgeht, die eine Gewichtszunahme begünstigen.

Eine Frau im gebärfähigen Alter, die ein Medikament gegen Adipositas einnimmt, sollte zuverlässig verhüten (1). Der Arzt kann auch fragen, ob bei Ihnen oder in Ihrer Familie ein medulläres Schilddrüsenkarzinom aufgetreten ist. In der Europäischen Union ist das keine Gegenanzeige, in den USA werden jedoch dieser Krebs und das erbliche Tumorsyndrom MEN 2 (multiple endokrine Neoplasie) unter den Gegenanzeigen für Tirzepatid genannt (9).

Wann darf man Naltrexon/Bupropion nicht einnehmen?

Die Kombination aus Naltrexon und Bupropion (Mysimba) ist ein Tablettenpräparat, das auf das Hungerzentrum und das Belohnungssystem im Gehirn wirkt. Für dieses Präparat gelten andere Gegenanzeigen als für die Spritzen. In folgenden Situationen dürfen diese Tabletten nicht eingenommen werden (5):

  • unkontrollierter Bluthochdruck
  • Epilepsie oder Krampfanfälle in der Vorgeschichte oder ein Tumor des zentralen Nervensystems
  • bipolare Störung in der Vorgeschichte
  • Bulimie oder Anorexie, aktuell oder früher
  • Opioidabhängigkeit, Behandlung mit Methadon oder Buprenorphin oder die Zeit unmittelbar nach einem abrupten Absetzen von Opioiden
  • die Zeit unmittelbar nach einem abrupten Alkohol- oder Benzodiazepinentzug (Benzodiazepine sind Beruhigungsmittel) bei abhängigen Menschen
  • Einnahme von Naltrexon oder Bupropion aus einem anderen Grund, zum Beispiel Naltrexon zur Behandlung einer Alkoholabhängigkeit oder Bupropion zur Rauchentwöhnung
  • Einnahme von MAO-Hemmern in den letzten 14 Tagen
  • schwere Leberfunktionsstörung oder terminale Niereninsuffizienz
  • Schwangerschaft, Kinderwunsch und Stillzeit

Wer Naltrexon zur Behandlung der Alkoholabhängigkeit einnimmt, darf diese Tabletten also nicht gegen Adipositas einnehmen. Bei Menschen über 75 Jahren wird das Medikament nicht empfohlen. Bei Menschen, die Alkohol missbrauchen, wird es mit Vorsicht angewendet, weil bei ihnen das Risiko von Krampfanfällen steigt. Diese Liste ersetzt nicht die Beurteilung durch den Arzt.

Warum kann der Arzt ein Rezept für ein Adipositas-Medikament verweigern?

Der Arzt muss nach dem aktuellen Stand der medizinischen Wissenschaft behandeln und stellt daher kein Rezept aus, nur weil der Patient darum bittet. Er kann in folgenden Situationen ablehnen:

  1. BMI unter der Grenze oder BMI von 27 bis 29,9 ohne gewichtsbedingte Erkrankung. Der Arzt verschreibt dann kein Medikament, auch wenn der Patient schneller abnehmen möchte.
  2. Keine vorherige Behandlung mit Ernährung und Bewegung. Der Arzt kann zuerst eine solche Behandlung vorschlagen.
  3. Eine Gegenanzeige oder eine Situation, in der das Medikament nicht empfohlen wird, zum Beispiel eine geplante Schwangerschaft oder eine schwere Nierenerkrankung. Tabletten mit Naltrexon und Bupropion verschreibt der Arzt auch niemandem, der Naltrexon wegen einer Alkoholabhängigkeit einnimmt.
  4. Der Wunsch nach einem Medikament, das nicht zur Adipositasbehandlung zugelassen ist, zum Beispiel nach einem Präparat zur Diabetesbehandlung.
  5. Verdacht, dass die Gewichtszunahme eine andere Ursache hat. Vor Beginn einer medikamentösen Behandlung muss die wahrscheinliche Ursache der Adipositas geklärt werden, und der Arzt erwägt, Medikamente, die eine Gewichtszunahme begünstigen, abzusetzen oder zu ersetzen. Nach welchen Medikamenten man zunimmt, lesen Sie im Artikel über Gewichtszunahme durch Medikamente.
  6. Essstörungen. Essanfälle, Bulimie oder Anorexie müssen abgeklärt und behandelt werden, und bei Bulimie und Anorexie sind Tabletten mit Naltrexon und Bupropion kontraindiziert. Mehr dazu im Artikel über Essanfälle.
  7. Keine Bereitschaft zu Kontrollterminen. Bei den Kontrollterminen beurteilt der Arzt, ob das Medikament wirkt und ob es sicher ist. Deshalb kann er das Rezept davon abhängig machen, ob der Patient solchen Terminen zustimmt.

Was tun, wenn der Arzt kein Rezept ausstellt?

  • Fragen Sie nach dem Grund: Erfüllen Sie die Kriterien nicht, wäre das Medikament für Sie gefährlich oder sind zuerst zusätzliche Untersuchungen nötig?
  • Fragen Sie, was sich ändern müsste. Die Entscheidung können Untersuchungsergebnisse, eine Beschreibung früherer Abnehmversuche oder die Behandlung einer anderen Erkrankung beeinflussen.
  • Sie können einen anderen Arzt um seine Einschätzung bitten, geben Sie ihm aber dieselben Informationen. Wer im Anamnesegespräch oder im Online-Fragebogen eine Erkrankung, ein Medikament oder einen Kinderwunsch verschweigt, verringert das Risiko nicht, sondern verbirgt es nur vor dem Arzt.
  • Kaufen Sie das Medikament nicht außerhalb der Apotheke. Ein Medikament aus unsicherer Quelle kann eine andere Zusammensetzung haben als angegeben und lässt sich deshalb nicht sicher anwenden.

Was unterscheidet ein einmaliges Rezept von einer ärztlich begleiteten Adipositasbehandlung?

Eine Behandlung mit einem Medikament gegen Adipositas dauert Monate und erfordert weitere ärztliche Entscheidungen, ein einzelnes Rezept ist also erst der Anfang. Semaglutid als Spritze und Tirzepatid werden zunächst 4 Wochen lang in der Anfangsdosis angewendet. Danach prüft der Arzt alle paar Wochen, wie der Patient das Medikament verträgt, entscheidet über eine Dosissteigerung und stellt weitere Rezepte aus. Wann die Wirksamkeit beurteilt wird, hängt vom Medikament und von der Dosis ab.

Bei jedem Termin sollte der Arzt auch an die Ernährungsumstellung und an mehr Bewegung erinnern. In der Empfehlung, die den polnischen Leitlinien vorangestellt ist, schreibt die nationale Konsultantin für Familienmedizin, also die vom Gesundheitsministerium berufene Fachexpertin, dass sich die Adipositasbehandlung nicht auf das Ausstellen eines Rezepts beschränken darf (1). In einer großen US-amerikanischen Studie mit mehr als 125.000 Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas beendeten fast zwei Drittel der Menschen ohne Diabetes die Einnahme innerhalb eines Jahres. Häufiger brachen Menschen mit ausgeprägten Magen-Darm-Beschwerden die Behandlung ab, seltener diejenigen, die stärker abgenommen hatten (11). Wie oft die Patienten zu Kontrollterminen gingen, wurde in der Studie nicht untersucht.

Wie lange dauert die Dosissteigerung bei Medikamenten gegen Adipositas?

Die Dosis wird schrittweise gesteigert, um Übelkeit und andere Magen-Darm-Beschwerden zu begrenzen. Die Behandlung mit Semaglutid als Spritze beginnt mit 0,25 mg einmal pro Woche, und die Dosis wird alle 4 Wochen erhöht, sodass der Patient nach 16 Wochen 2,4 mg erreicht (2). Die Behandlung mit Tirzepatid beginnt mit 2,5 mg, nach 4 Wochen wird die Dosis auf 5 mg erhöht, und jede weitere Steigerung um 2,5 mg ist frühestens nach 4 Wochen mit der bisherigen Dosis möglich (3). Jeder Schritt ist eine ärztliche Entscheidung und bedeutet meist ein Rezept für einen Pen mit einer anderen Stärke. Mehr dazu im Artikel über die ersten Monate der medikamentösen Adipositasbehandlung.

Ein weiteres Rezept, das für die Fortsetzung der Behandlung nötig ist, kann der Arzt ohne erneute Untersuchung ausstellen, wenn der Gesundheitszustand des Patienten in der medizinischen Dokumentation beschrieben ist (8). Liegt keine Dokumentation der bisherigen Behandlung vor, muss der Arzt den Zustand des Patienten neu beurteilen.

Wann entscheidet der Arzt, ob das Adipositas-Medikament weiter angewendet wird?

Nach den polnischen Empfehlungen gilt ein Medikament als wirksam, wenn das Körpergewicht um mindestens 5% gesunken ist. Bei Semaglutid als Spritze beurteilt der Arzt das nach 3 Monaten mit der Dosis von 2,4 mg, bei üblicher Dosissteigerung also etwa im 7. Behandlungsmonat (1). Für Tirzepatid gibt es keinen festgelegten Zeitpunkt, nach dem das Medikament wegen einer zu geringen Gewichtsabnahme abgesetzt wird. Die Erhaltungsdosis beträgt 5, 10 oder 15 mg, und den Kontrolltermin sowie die weitere Behandlung legt der Arzt fest. Liraglutid wird abgesetzt, wenn das Körpergewicht nach 12 Wochen mit der Dosis von 3 mg um weniger als 5% gesunken ist (4), Naltrexon/Bupropion, wenn die Abnahme nach 16 Wochen weniger als 5% betrug (5). Im Artikel über den Gewichtsstillstand unter einem Adipositas-Medikament beschreiben wir, was der Arzt prüft, bevor er ein Medikament als unwirksam einstuft.

Was sollte ich vor einer Online-Sprechstunde zum Adipositas-Medikament fragen?

  • Sieht der Arzt meine Befunde, meine Medikamentenliste und meine Messwerte, bevor er ein Rezept ausstellt?
  • Wer entscheidet wann über eine höhere Dosis und stellt das nächste Rezept aus?
  • An wen wende ich mich, wenn starkes Erbrechen oder heftige Bauchschmerzen auftreten?
  • Wann und auf welcher Grundlage beurteilt der Arzt, ob das Medikament wirkt?
  • Wer hilft mir, meine Ernährung umzustellen und mich mehr zu bewegen?
  • Wie lange dauert die Behandlung und wie geht es danach weiter?

Im 6-monatigen Programm zur Adipositasbehandlung bei Nasz Gabinet prüft der Arzt nach den polnischen Empfehlungen, ob ein Medikament für den Patienten angezeigt ist, und entscheidet nach jeder weiteren Beurteilung über das nächste E-Rezept. Zum Programm gehören Videosprechstunden mit dem Arzt und mit dem Psychologen sowie monatliche ärztliche Kontrollen anhand der Daten aus der App: einmal pro Woche Wiegen und einmal im Monat Messen der Körpermaße. Das Medikament kauft der Patient in der Apotheke, denn es ist im Programmpreis nicht enthalten.

Häufig gestellte Fragen

Bekomme ich bei einem BMI von 28 ohne andere Erkrankungen ein Medikament gegen Adipositas?

Bei einem BMI von 28 verschreibt der Arzt ein Medikament gegen Adipositas nur, wenn eine gewichtsbedingte Erkrankung vorliegt, zum Beispiel Prädiabetes, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen oder obstruktive Schlafapnoe. Manche dieser Erkrankungen werden erst bei Blutuntersuchungen entdeckt, deshalb beginnt der Arzt mit Untersuchungen und einer Blutdruckmessung. Liegt keine solche Erkrankung vor, stützt sich die Behandlung auf Ernährungsumstellung, Bewegung und psychologische Unterstützung.

Verschreibt der Arzt Ozempic, wenn ich nicht abnehmen kann?

Ozempic ist nur zur Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen (10). Menschen ohne Diabetes verschreibt der Arzt ein Medikament, das zur Adipositasbehandlung zugelassen ist, zum Beispiel Wegovy, also denselben Wirkstoff Semaglutid in anderen Dosierungen. Dass das Abnehmen nicht gelingt, reicht allein nicht aus: Entscheidend sind der BMI, die Begleiterkrankungen und das Fehlen von Gegenanzeigen. Im Artikel darüber, was zu tun ist, wenn Sie nicht abnehmen können, erklären wir, warum das Gewicht trotz Diät nicht sinkt.

Darf jemand, der wegen einer Alkoholabhängigkeit behandelt wird, ein Medikament gegen Adipositas nehmen?

Ja, aber der Arzt muss die gesamte Behandlung kennen. Naltrexon/Bupropion ist kontraindiziert, wenn jemand Naltrexon zur Behandlung einer Alkoholabhängigkeit einnimmt, und in der Zeit unmittelbar nach einem abrupten Alkoholentzug. Bei Nasz Gabinet verweisen wir Menschen mit riskantem Alkoholkonsum parallel an unsere Suchtambulanz. In einem eigenen Artikel über Adipositas-Medikamente und Alkohol beschreiben wir, wie Alkohol mit den einzelnen Medikamenten zusammenwirkt.

Quellen

  1. Bąk-Sosnowska M, Białkowska M, Bogdański P et al. Zalecenia kliniczne dotyczące postępowania u chorych na otyłość 2024 - stanowisko Polskiego Towarzystwa Leczenia Otyłości (Klinische Empfehlungen zur Behandlung von Patienten mit Adipositas, Stellungnahme der PTLO). Medycyna Praktyczna, Sonderausgabe, September 2024. ptlo.org.pl
  2. Charakterystyka Produktu Leczniczego Wegovy (semaglutyd) (Fachinformation Wegovy). Europejska Agencja Leków. ema.europa.eu
  3. Charakterystyka Produktu Leczniczego Mounjaro (tirzepatyd) (Fachinformation Mounjaro). Europejska Agencja Leków. ema.europa.eu
  4. Charakterystyka Produktu Leczniczego Saxenda (liraglutyd) (Fachinformation Saxenda). Europejska Agencja Leków. ema.europa.eu
  5. Charakterystyka Produktu Leczniczego Mysimba (chlorowodorek naltreksonu, chlorowodorek bupropionu) (Fachinformation Mysimba). Europejska Agencja Leków. ema.europa.eu
  6. Wilding JPH, Batterham RL, Davies M et al. Weight regain and cardiometabolic effects after withdrawal of semaglutide: The STEP 1 trial extension. Diabetes Obes Metab. 2022;24(8):1553-1564. PMID 35441470, DOI
  7. Obwieszczenie Ministra Zdrowia z dnia 16 września 2026 r. w sprawie wykazu refundowanych leków, środków spożywczych specjalnego przeznaczenia żywieniowego oraz wyrobów medycznych na dzień 1 października 2026 r. (Bekanntmachung des polnischen Gesundheitsministers über die Liste der erstattungsfähigen Arzneimittel). Dz. Urz. Min. Zdr. 2026 poz. 70. dziennikmz.mz.gov.pl
  8. Ustawa z dnia 5 grudnia 1996 r. o zawodach lekarza i lekarza dentysty (Gesetz über die Berufe des Arztes und Zahnarztes), konsolidierte Fassung Dz.U. 2026 poz. 37, Art. 4 und Art. 42. api.sejm.gov.pl
  9. U.S. Food and Drug Administration. Mounjaro (tirzepatide) injection, Prescribing Information, 2022. accessdata.fda.gov
  10. Charakterystyka Produktu Leczniczego Ozempic (semaglutyd) (Fachinformation Ozempic). Europejska Agencja Leków. ema.europa.eu
  11. Rodriguez PJ, Zhang V, Gratzl S et al. Discontinuation and Reinitiation of Dual-Labeled GLP-1 Receptor Agonists Among US Adults With Overweight or Obesity. JAMA Netw Open. 2025;8(1):e2457349. PMID 39888616, DOI

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Im Programm zur Adipositasbehandlung beurteilt der Arzt BMI, Taillenumfang und Befunde, prüft nach den polnischen Empfehlungen, ob ein Medikament für Sie angezeigt ist, und begleitet die Behandlung mit monatlichen ärztlichen Kontrollen.