Was essen unter Semaglutid oder Tirzepatid, wenn das Medikament den Appetit nimmt?

Semaglutid (Wegovy) und Tirzepatid (Mounjaro) dämpfen den Appetit, und manche Patienten vergessen unter diesen Medikamenten ihre Mahlzeiten. Man isst dann weniger, nimmt dabei aber leicht zu wenig Eiweiß auf, und zusammen mit dem Fett gehen Muskeln verloren. In der Studie STEP 1 bestand fast 40% des Gewebes, das die mit Semaglutid behandelten Patienten verloren, aus fettfreier Masse, also aus Muskeln und anderen Geweben, die kein Fett sind (1, 2). Die polnischen Leitlinien nennen keine einheitliche Diät für alle Menschen mit Adipositas. Aus ihnen und aus den Empfehlungen US-amerikanischer Fachgesellschaften für Menschen unter medikamentöser Behandlung ergeben sich jedoch vier praktische Regeln: Eiweiß zu jeder Mahlzeit essen, regelmäßig kleine Portionen essen, auch ohne Hungergefühl, ausreichend trinken und mindestens zweimal pro Woche Krafttraining machen (3, 4). Bei einer Nierenerkrankung und ab 65 Jahren legt der Arzt die Eiweißmenge fest, weil für diese Gruppen andere Empfehlungen gelten (3, 5).

Ein Stück gebackener Fisch auf Salat mit Gemüse, daneben Schälchen mit Kichererbsen und Granatapfelkernen, von oben fotografiert

Kurz gesagt

  • In der Studie STEP 1 verloren die mit Semaglutid behandelten Teilnehmer, bei denen die Körperzusammensetzung gemessen wurde, im Schnitt 8,4 kg Fett und 5,3 kg fettfreie Masse. In der Studie SURMOUNT-1 mit Tirzepatid machte die fettfreie Masse etwa ein Viertel des Verlusts aus, genauso viel wie in der Placebogruppe, die Injektionen ohne Wirkstoff und dieselben Ernährungs- und Bewegungsempfehlungen erhielt.
  • Vier US-amerikanische Fachgesellschaften schlagen Menschen, die abnehmen, 1,2-1,6 g Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht und Tag vor oder als einfacheres Ziel 80-120 g pro Tag. Die Polnische Gesellschaft für Adipositasbehandlung (PTLO) empfiehlt Menschen mit sarkopener Adipositas, also mit geringer Muskelmasse und Muskelkraft, mindestens 1,5 g pro Kilogramm.
  • Eiweiß allein schützt die Muskeln nicht. Nötig ist auch Krafttraining mindestens 2-mal pro Woche, das alle großen Muskelgruppen einbezieht.
  • Zu wenig zu essen schadet ebenfalls: Eine Abnahme von mehr als 1,5 kg pro Woche begünstigt Gallensteine, und eine Ernährung, die weniger Energie liefert, als der Körper in Ruhe verbraucht, kann zu Nährstoffmängeln führen.

Warum verliert man unter einem Medikament gegen Adipositas auch Muskeln?

Das Medikament dämpft den Appetit, sodass der Körper weniger Energie und Eiweiß bekommt. Bei schneller Abnahme geht dann nicht nur Fett verloren, sondern auch fettfreie Masse, also Muskeln und andere Gewebe, die kein Fett sind. Wie viel davon verloren geht, hängt davon ab, wie wenig der Patient isst, wie schnell er abnimmt und ob er Krafttraining macht.

In der Studie STEP 1 wurde die Körperzusammensetzung bei 140 Teilnehmern mit DXA gemessen, einer Ganzkörper-Densitometrie, die Fett von Knochen und übrigen Geweben unterscheidet. Nach 68 Wochen zeigte die Waage bei den mit Semaglutid Behandelten im Schnitt 14,7 kg weniger an, und die DXA-Messung ergab einen Verlust von 8,4 kg Fett und 5,3 kg fettfreier Masse. Die fettfreie Masse machte also fast 40% des mit DXA gemessenen Gewebeverlusts aus (2). Die Autoren der Stellungnahme von vier US-amerikanischen Fachgesellschaften für Ernährung und Adipositasbehandlung gehen davon aus, dass Muskeln etwa die Hälfte der fettfreien Masse ausmachen, und schätzen daher, dass etwa 20% der verlorenen Kilos auf Muskeln entfielen (4).

In der Studie SURMOUNT-1 wurde die Körperzusammensetzung bei 160 Personen gemessen. Nach 72 Wochen mit Tirzepatid sank das Körpergewicht im Schnitt um 21,3%, das Fettgewebe um 33,9% und die fettfreie Masse um 10,9%. Etwa 75% des Verlusts entfielen auf Fett, 25% auf fettfreie Masse. Dieselben Anteile zeigten sich in der Placebogruppe, in der die Teilnehmer Injektionen ohne Wirkstoff und dieselben Ernährungs- und Bewegungsempfehlungen erhielten wie die Behandelten (7).

Einen ähnlichen Verlust an fettfreier Masse beschrieb man bei anderen Methoden mit großer Gewichtsabnahme, z. B. nach einer Adipositasoperation und bei einer sehr kalorienarmen Diät (4). Eine Metaanalyse von 7 randomisierten Studien (821 Patienten, 5 Studien mit Liraglutid) verglich GLP-1-Medikamente in den bei Adipositas verwendeten Dosen mit Placebo. Im Vergleich zu Placebo stieg bei den Behandelten der Anteil der fettfreien Masse am Körpergewicht, die Körperzusammensetzung verbesserte sich also, obwohl die fettfreie Masse in Kilogramm abnahm (8). Den Muskelverlust begünstigt auch eine zu geringe Eiweißaufnahme, besonders bei älteren Menschen, bei wenig aktiven Menschen und bei denen, die kein Krafttraining machen.

Wie viel Eiweiß brauche ich unter einem Medikament gegen Adipositas?

Eine Zahl für alle gibt es nicht. Die Autoren der Stellungnahme von vier US-amerikanischen Fachgesellschaften aus dem Jahr 2025 schlagen Menschen, die abnehmen, 1,2-1,6 g Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht und Tag vor oder als einfacheres Ziel 80-120 g pro Tag (4). Die Polnische Gesellschaft für Adipositasbehandlung (PTLO) empfiehlt Menschen mit sarkopener Adipositas, also mit geringer Muskelmasse und Muskelkraft, mindestens 1,5 g Eiweiß pro Kilogramm (3).

Bei hohem Körpergewicht ergibt die Berechnung pro Kilogramm sehr hohe Werte. Für einen Menschen mit 130 kg wären es 156-208 g Eiweiß pro Tag. Die Autoren der US-amerikanischen Stellungnahme weisen darauf hin, dass die Berechnung aus dem aktuellen Gewicht den Bedarf bei Adipositas stark überschätzen kann und dass keine Einigkeit darüber besteht, von welchem Gewicht aus er zu berechnen ist. Daher stammt ihr zweites, einfacheres Ziel in Gramm pro Tag. Weniger als 0,4-0,5 g Eiweiß pro Kilogramm sollten es nicht sein, weil sonst Muskelschwund droht, und dauerhaft sollte man nicht 2 g Eiweiß pro Kilogramm oder mehr essen (4).

Mehr Eiweiß beim Abnehmen bringt einen mäßigen Vorteil. In einer Metaanalyse von 24 Studien (1063 Personen, Diäten von durchschnittlich 12 Wochen) verringerte eine eiweißreichere Ernährung den Verlust an fettfreier Masse im Schnitt um 0,43 kg im Vergleich zu einer Diät mit gleichem Kaloriengehalt und üblichem Eiweißanteil (9).

Wie viel Eiweiß sollte eine Mahlzeit enthalten?

Die polnischen Leitlinien nennen die Eiweißmenge pro Mahlzeit in den Empfehlungen für Menschen mit sarkopener Adipositas: Zusätzliche 20-30 g Eiweiß zu jeder Mahlzeit regen die Muskelproteinsynthese, also die Bildung neuer Eiweiße im Muskel, am stärksten an (3). Außerdem ist es besser, das Eiweiß über den ganzen Tag zu verteilen, als es überwiegend zum Abendessen zu essen. In einer kleinen Studie mit 8 gesunden Erwachsenen war die Muskelproteinsynthese im Tagesverlauf um 25% höher, wenn die Teilnehmer eine Woche lang zu jeder der drei Mahlzeiten etwa 30 g Eiweiß aßen, als wenn sie dieselbe Menge überwiegend abends aßen (10).

Wie viel Eiweiß steckt in gängigen Lebensmitteln?

Beispielportionen aus den PTLO-Empfehlungen (3):

LebensmittelPortionEiweiß
Hähnchenbrust, gekocht85 g27,9 g
Räucherforelle100 g19,4 g
Quark, halbfett100 g18,3 g
Heilbutt, gedämpft110 g17,5 g
Naturjoghurt250 ml13 g

Wann muss die Eiweißmenge mit dem Arzt festgelegt werden?

Bei einer chronischen Nierenerkrankung gelten andere Empfehlungen. Die internationalen nephrologischen Leitlinien KDIGO von 2024 schlagen für Erwachsene mit einer Nierenerkrankung im Stadium G3-G5, die nicht dialysiert werden, 0,8 g Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht und Tag vor. In diesen Stadien liegt die eGFR, ein aus einer Blutuntersuchung berechneter Wert der Nierenfunktion, unter 60 ml/min/1,73 m². Außerdem raten die Leitlinien von mehr als 1,3 g pro Kilogramm ab, wenn die Erkrankung fortschreiten kann (5). Menschen ab 65 Jahren empfiehlt die PTLO 1-1,2 g Eiweiß pro Kilogramm und Tag, zusammen mit körperlicher Aktivität (3). In beiden Fällen legt der behandelnde Arzt die Eiweißmenge fest.

Wie bekommt man genug Eiweiß, wenn das Medikament den Appetit dämpft?

Am einfachsten beginnen Sie jede Mahlzeit mit einem eiweißreichen Lebensmittel, bevor sich ein Völlegefühl einstellt, und wählen Lebensmittel, die in kleinem Volumen viel Eiweiß enthalten.

Die Autoren der US-amerikanischen Stellungnahme nennen Fisch, Eier, griechischen Joghurt, Hüttenkäse, Nüsse und Kerne sowie Aufstriche daraus und von den Hülsenfrüchten Bohnen, Erbsen und Linsen. Rotes und verarbeitetes Fleisch sollte man laut ihnen nur in Maßen essen, weil Menschen, die mehr davon essen, in Bevölkerungsstudien häufiger an Typ-2-Diabetes, Herzerkrankungen und Dickdarmkrebs erkranken. Wer keine Lust auf schwerere Speisen hat, dem fallen ein Shake aus Joghurt oder Milch mit Obst und Gemüse, eine Suppe oder Hüttenkäse leichter als rotes Fleisch, Wurst oder Hartkäse (4).

Mit dem Medikament ist der Hunger schwächer, und es passiert leicht, dass man stundenlang nichts isst, deshalb müssen die Mahlzeiten geplant werden. Die PTLO empfiehlt 3-5 Mahlzeiten am Tag, ohne Snacks dazwischen und mit einer Pause über Nacht (3). Bei Appetitlosigkeit raten die Autoren der US-amerikanischen Stellungnahme, öfter kleine Portionen zu essen und, wenn das nicht reicht, eine Erinnerung für die Mahlzeiten einzustellen. Lange Essenspausen haben noch einen Nachteil: Bei manchen Menschen enden sie mit starkem Hunger und Lust auf Süßes und Weißmehlprodukte (4).

Was essen an Tagen mit Übelkeit?

Lieber eine Kleinigkeit essen als gar nichts. Die Autoren der US-amerikanischen Stellungnahme raten, morgens ein kleines Frühstück zu essen, danach alle 3-4 Stunden weitere kleine Mahlzeiten und den ganzen Tag über zu trinken. Manche lassen wegen der Übelkeit Mahlzeiten aus, und das verstärkt die Übelkeit und erschwert das Essen noch mehr (4).

Übelkeit tritt am häufigsten zu Beginn der Behandlung und nach einer Dosiserhöhung auf, oft morgens oder nach einer längeren Essenspause. In den ersten Behandlungstagen meiden Sie besser fette und ballaststoffreiche Speisen. Erbrechen kommt nach einer großen Mahlzeit häufiger vor. Manchen hilft Tee mit Ingwer oder Minze. Alkohol kann Übelkeit und Reflux verstärken (4). Wie Alkohol während der Behandlung wirkt, beschreiben wir im Artikel über Medikamente gegen Adipositas und Alkohol.

Verstopfung ist unter dem Medikament häufig. Es helfen Flüssigkeit und Ballaststoffe aus Lebensmitteln, z. B. aus Trockenpflaumen, die schrittweise in die Ernährung aufgenommen werden. Eiweiß- oder fettreiche Speisen verlangsamen zusätzlich die Magenentleerung und können die Verstopfung verstärken. Hält die Verstopfung an, müssen solche Speisen manchmal eine Zeit lang reduziert werden (4).

Bei starken Beschwerden kann der Arzt die Dosiserhöhung verschieben oder zur vorherigen Dosis zurückkehren, bis die Symptome nachlassen (6). Den Zeitplan der Dosissteigerung beschreiben wir im Artikel über die ersten Monate der medikamentösen Adipositasbehandlung, und was gegen die einzelnen Beschwerden hilft und wie lange sie anhalten, im Artikel über Nebenwirkungen von Medikamenten gegen Adipositas.

Wie viel sollte man unter einem Medikament gegen Adipositas trinken?

Die polnischen Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr sehen 2 Liter Wasser pro Tag für Frauen und 2,5 Liter für Männer als ausreichend an. Diese Menge umfasst Trinkwasser, andere Getränke und das in Lebensmitteln enthaltene Wasser und gilt für mäßig aktive Menschen bei gemäßigter Umgebungstemperatur (11).

Unter dem Medikament ist das Trinken wichtiger als sonst. Übelkeit, Erbrechen und Durchfall können zu Flüssigkeitsmangel (Dehydratation) führen, und dieser kann die Nierenfunktion verschlechtern. Deshalb empfehlen die Packungsbeilagen von Semaglutid und Tirzepatid, viel zu trinken, und die Packungsbeilage von Semaglutid fügt hinzu, dass das bei einer Nierenerkrankung besonders wichtig ist (6, 12). Wer weniger isst, bekommt auch weniger Wasser aus der Nahrung, deshalb sollten Sie auch an Tagen ohne Beschwerden ans Trinken denken. Die PTLO empfiehlt, regelmäßig stilles Wasser zu trinken und, außer bei Hitze, natriumarmes (3). Die Autoren der US-amerikanischen Stellungnahme raten, gesüßte Getränke zu meiden (4).

Warum sollte man während der Adipositasbehandlung nicht drastisch weniger essen?

Eine zu strenge Diät kann zu Nährstoffmängeln führen. Die PTLO empfiehlt, dass die Ernährung in der Adipositasbehandlung mindestens so viel Energie liefert, wie der Körper in Ruhe braucht. Diesen Bedarf bezeichnet man als Grundumsatz. Der Kaloriengehalt wird individuell festgelegt und liegt in der Adipositasbehandlung meist bei 1200-1500 kcal pro Tag für Frauen und 1500-1800 kcal für Männer (3).

Zu schnelles Abnehmen begünstigt außerdem Gallensteine. Laut PTLO erhöht eine Gewichtsabnahme von mehr als 1,5 kg pro Woche das Risiko, wenn sie durch eine strenge Diät unter 800 kcal pro Tag, durch Medikamente, besonders GLP-1-Analoga, oder durch eine Adipositasoperation verursacht wird (3). In den Studien zu Semaglutid traten Gallensteine bei 1,6% der Behandelten und bei 1,1% der Personen unter Placebo auf (6).

Eine kalorienarme Diät kann zu Mängeln führen. Die PTLO nennt hier die Vitamine B1, B12 und D sowie Kalzium, Eisen, Zink, Kupfer und Selen, besonders bei Menschen nach Adipositasoperationen. Fehlende Nährstoffe werden durch die Auswahl der Lebensmittel oder durch eine gezielte Ergänzung ausgeglichen, also nur dessen, was tatsächlich fehlt (3). Über Untersuchungen auf Mängel und ein mögliches Nahrungsergänzungsmittel entscheidet der Arzt; welche Untersuchungen bei Adipositas veranlasst werden, beschreiben wir im Artikel über Untersuchungen vor der Adipositasbehandlung.

Wenn Sie mehrere Wochen lang schneller als 1,5 kg pro Woche abnehmen oder seit einigen Tagen so wenig essen, dass keine Mahlzeit Eiweiß enthält, sagen Sie das Ihrem Arzt. Im Programm zur Adipositasbehandlung bei Nasz Gabinet wiegt sich der Patient einmal pro Woche und trägt das Ergebnis in die App ein, einmal im Monat misst er seine Körpermaße, und der Arzt beurteilt bei der monatlichen ärztlichen Kontrolle anhand dieser Daten das Abnehmtempo und entscheidet über die Dosis.

Wie trainiert man, um während der Adipositasbehandlung weniger Muskeln zu verlieren?

Die Muskeln schützt vor allem Krafttraining: mindestens 2-mal pro Woche, mit Übungen für alle großen Muskelgruppen, bei mäßiger oder höherer Intensität. Dazu werden 150-300 Minuten mäßige Ausdauerbelastung pro Woche empfohlen, z. B. zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen, oder 75-150 Minuten intensive Belastung (3, 13).

Die PTLO betont, dass Krafttraining während der Gewichtsreduktion dem Verlust von Muskelgewebe vorbeugt (3). Die Autoren der US-amerikanischen Stellungnahme schreiben, dass mehr Eiweiß ohne Krafttraining die Muskeln wahrscheinlich nicht schützt und Ausdauertraining allein sie schwächer schützt. Menschen unter Medikament schlagen sie Krafttraining mindestens 3-mal pro Woche und mindestens 150 Minuten Ausdauerbelastung pro Woche vor (4). Eine Übersicht über 6 Studien umfasste ältere Menschen mit Adipositas, die durch eine Diät abnahmen. Krafttraining 3-mal pro Woche über 12-24 Wochen verringerte bei ihnen den Verlust an fettfreier Masse im Schnitt um 93,5% (14). Diese Studien betrafen das Abnehmen mit Diät, nicht mit Medikamenten.

Kraftübungen können Sie im Fitnessstudio oder zu Hause machen, mit Hanteln, Widerstandsbändern oder an Geräten. Die PTLO rät bisher inaktiven Menschen, mit geringer Intensität ohne schwere Gewichte zu beginnen und die Belastung schrittweise zu steigern, höchstens um 10% pro Woche. Bei einem BMI über 35 ist Bewegung besser, die die Gelenke weniger belastet, z. B. Übungen im Wasser oder ein Fahrradergometer (3).

Wann sollten Sie sich bei Problemen mit dem Essen unter dem Medikament an den Arzt wenden?

Sofort, wenn Sie wegen Erbrechens keine Flüssigkeit bei sich behalten können, denn dann drohen Austrocknung und eine Verschlechterung der Nierenfunktion. Sofort an einen Arzt wenden müssen Sie sich auch bei starken, anhaltenden Bauchschmerzen, auch dann, wenn sie in den Rücken ausstrahlen. So kann sich eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung äußern (6).

Sprechen Sie auch dann mit dem Arzt, wenn:

  • Sie mehrere Wochen lang schneller als 1,5 kg pro Woche abnehmen oder seit einigen Tagen fast nichts essen
  • Sie eine Nierenerkrankung haben oder mindestens 65 Jahre alt sind und nicht wissen, wie viel Eiweiß Sie essen sollen
  • Sie Diabetes haben, der mit Insulin oder einem Sulfonylharnstoff behandelt wird, denn diese Medikamente erhöhen zusammen mit Semaglutid oder Tirzepatid das Risiko einer Hypoglykämie, also eines zu niedrigen Blutzuckers, und der Arzt kann ihre Dosis verringern (6, 12)

Häufig gestellte Fragen

Was frühstücken unter einem Medikament gegen Adipositas?

Eine kleine Mahlzeit mit Eiweiß, auch wenn Sie morgens keinen Appetit haben. Übelkeit tritt unter dem Medikament oft morgens und nach einer längeren Essenspause auf, und ein kleines Frühstück mit weiteren kleinen Mahlzeiten alle paar Stunden kann helfen, sie zu verringern. Gut eignen sich Lebensmittel mit viel Eiweiß in kleinem Volumen, z. B. Eier, griechischer Joghurt, Hüttenkäse oder Brot mit Nussmus.

Sollte man wegen des Muskelverlusts lieber auf ein Medikament verzichten?

Die Autoren einer Metaanalyse zu GLP-1-Analoga meinten, dass der Verlust an fettfreier Masse kein Grund sein sollte, auf diese Medikamente zu verzichten, weil sich die Körperzusammensetzung nach der Behandlung verbessert. Sie betonten jedoch, dass die Behandlung von einer Ernährungsumstellung und Training begleitet sein sollte. Außerdem wiesen sie darauf hin, dass an den Studien überwiegend relativ junge Menschen ohne Diabetes teilnahmen (8). Eine geringe Muskelmasse verschlechtert die körperliche Leistungsfähigkeit und erhöht das Risiko für Stürze und Knochenbrüche. Bei älteren Menschen empfiehlt die PTLO, ein Medikament nur in besonderen Fällen und nach Abwägung von Nutzen und Risiko in Betracht zu ziehen (3).

Muss man unter einem Medikament gegen Adipositas auf eine ketogene oder eiweißreiche Diät umstellen?

Nein. Die PTLO empfiehlt weder die ketogene Diät noch andere unausgewogene Diäten, auch keine eiweißreiche, weil sie auf Dauer unwirksam und manchmal sogar schädlich zu sein scheinen. Sie empfiehlt auch keine kohlenhydratarmen Diäten (unter 130 g pro Tag), weil Langzeitdaten zu ihrer Sicherheit und Wirksamkeit fehlen. Empfohlen werden ausgewogene Ernährungsformen wie die Mittelmeerdiät. Menschen mit sarkopener Adipositas schlägt die PTLO eine Mittelmeerdiät mit mehr Eiweiß vor (3).

Gelten diese Ernährungsregeln auch für Semaglutid gegen Diabetes?

Ozempic enthält Semaglutid, ist aber zur Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen, nicht von Adipositas (15). Auch Ozempic dämpft den Appetit, sodass man auch bei der Diabetesbehandlung leicht zu wenig Eiweiß isst. Die Ernährungsempfehlungen bei Diabetes legt jedoch der behandelnde Arzt fest, besonders wenn der Patient auch Insulin oder einen Sulfonylharnstoff einnimmt, weil diese Kombination das Risiko einer Hypoglykämie erhöht.

Quellen

  1. Wilding JPH, Batterham RL, Calanna S et al. Once-Weekly Semaglutide in Adults with Overweight or Obesity (STEP 1). N Engl J Med. 2021;384(11):989-1002. PMID 33567185, DOI
  2. U.S. Food and Drug Administration. Wegovy (semaglutide), NDA 215256 - Clinical Review, 2021, Tabelle 15: Ergebnisse der Untergruppe mit DEXA-Messung in der Studie STEP 1. accessdata.fda.gov
  3. Bąk-Sosnowska M, Białkowska M, Bogdański P et al. Zalecenia kliniczne dotyczące postępowania u chorych na otyłość 2024 - stanowisko Polskiego Towarzystwa Leczenia Otyłości (Klinische Empfehlungen zur Behandlung von Patienten mit Adipositas, Stellungnahme der PTLO). Medycyna Praktyczna, Sonderausgabe, September 2024. ptlo.org.pl
  4. Mozaffarian D, Agarwal M, Aggarwal M et al. Nutritional priorities to support GLP-1 therapy for obesity: a joint Advisory from the American College of Lifestyle Medicine, the American Society for Nutrition, the Obesity Medicine Association, and The Obesity Society. Am J Clin Nutr. 2025;122(1):344-367. PMID 40450457, DOI
  5. Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) CKD Work Group. KDIGO 2024 Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease. Kidney Int. 2024;105(4S):S117-S314. PMID 38490803, DOI
  6. Europäische Arzneimittel-Agentur. Wegovy (semaglutyd) - charakterystyka produktu leczniczego i ulotka dla pacjenta (Fachinformation und Packungsbeilage Wegovy). ema.europa.eu
  7. Look M, Dunn JP, Kushner RF et al. Body composition changes during weight reduction with tirzepatide in the SURMOUNT-1 study of adults with obesity or overweight. Diabetes Obes Metab. 2025;27(5):2720-2729. PMID 39996356, DOI
  8. Laverde LP, Muñoz-Velandia OM, Alfonso D et al. Effect of GLP-1 receptor agonists at doses for obesity management on muscle health: systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Int J Obes (Lond). 2026;50(8):1638-1646. PMID 42321502, DOI
  9. Wycherley TP, Moran LJ, Clifton PM et al. Effects of energy-restricted high-protein, low-fat compared with standard-protein, low-fat diets: a meta-analysis of randomized controlled trials. Am J Clin Nutr. 2012;96(6):1281-1298. PMID 23097268, DOI
  10. Mamerow MM, Mettler JA, English KL et al. Dietary protein distribution positively influences 24-h muscle protein synthesis in healthy adults. J Nutr. 2014;144(6):876-880. PMID 24477298, DOI
  11. Jarosz M, Rychlik E, Stoś K, Charzewska J (Hrsg.). Normy żywienia dla populacji Polski i ich zastosowanie (Ernährungsnormen für die Bevölkerung Polens und ihre Anwendung), Kapitel Woda i elektrolity (Wasser und Elektrolyte). Narodowy Instytut Zdrowia Publicznego - Państwowy Zakład Higieny, Warszawa 2020. pzh.gov.pl
  12. Europäische Arzneimittel-Agentur. Mounjaro (tirzepatyd) - charakterystyka produktu leczniczego i ulotka dla pacjenta (Fachinformation und Packungsbeilage Mounjaro). ema.europa.eu
  13. Bull FC, Al-Ansari SS, Biddle S et al. World Health Organization 2020 guidelines on physical activity and sedentary behaviour. Br J Sports Med. 2020;54(24):1451-1462. PMID 33239350, DOI
  14. Sardeli AV, Komatsu TR, Mori MA et al. Resistance Training Prevents Muscle Loss Induced by Caloric Restriction in Obese Elderly Individuals: A Systematic Review and Meta-Analysis. Nutrients. 2018;10(4):423. PMID 29596307, DOI
  15. Europäische Arzneimittel-Agentur. Ozempic (semaglutyd) - charakterystyka produktu leczniczego (Fachinformation Ozempic). ema.europa.eu

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Im 6-monatigen Programm von Nasz Gabinet beurteilt der Arzt, ob ein Medikament für Sie geeignet ist, und prüft dann jeden Monat Ihr Gewicht und Ihre Körpermaße, die Sie in die App eintragen. Zum Programm gehören auch Videosprechstunden mit einem Arzt und einem Psychologen.