Ständig ans Essen denken - woher kommt das und was ändert ein Medikament gegen Adipositas?

Ständiges Denken ans Essen bedeutet hartnäckige, ungewollte Gedanken darüber, was, wann und wie viel man essen wird. Diese Gedanken kehren sogar nach einer Mahlzeit zurück, wenn Sie keinen Hunger haben. In englischsprachigen Fachpublikationen heißen sie food noise, wörtlich etwa „Essenslärm“. Eine medizinische Diagnose ist das jedoch nicht. Forscher klären erst noch, wie sich dieses Phänomen definieren und messen lässt (1).

Solche Gedanken verstärken sich oft nach dem Abnehmen. Wahrscheinlich hängt das mit hormonellen Veränderungen zusammen: Der Körper bildet dann mehr vom Hungerhormon und weniger Sättigungshormone.

Medikamente aus der Gruppe der GLP-1-Analoga und Tirzepatid wirken auf die Hunger- und Sättigungszentren sowie auf das Belohnungssystem im Gehirn. Viele Menschen bemerken während der Behandlung, dass sie seltener ans Essen denken, allerdings ist die Wirkung nicht bei allen gleich. Beschrieben wurde auch ein Einzelfall, in dem die aufdringlichen Gedanken noch während der Behandlung zurückkehrten (8). Wie sie sich nach dem Absetzen des Medikaments verändern, ist bisher nicht bekannt.

Ein Mann, von hinten gesehen, steht nachts vor dem offenen Kühlschrank in einer dunklen Küche

Kurz gesagt

  • Ständiges Denken ans Essen ist keine eigenständige Krankheit. In einer Umfrage unter 1000 erwachsenen US-Amerikanern hatte jeder Zweite solche Gedanken zumindest manchmal und fast jeder Fünfte oft oder immer.
  • Semaglutid in der Dosis 2,4 mg verringerte in Studien Hunger und Heißhunger. In einer zweijährigen Studie hatten die behandelten Menschen bis zum Ende der Beobachtung mehr Kontrolle über ihren Heißhunger, ihr Hunger war jedoch nur in Woche 20 geringer als in der Placebogruppe.
  • Wenn die Gedanken ans Essen mit Kontrollverlust beim Essen, Erbrechen oder der Einnahme von Abführmitteln nach den Mahlzeiten einhergehen, ist ein Gespräch mit einem Arzt oder Psychologen nötig, denn das können Anzeichen einer Essstörung sein.

Wie unterscheidet sich ständiges Denken ans Essen von Hunger?

Nach dem Essen lässt der Hunger nach, aufdringliche Gedanken ans Essen kehren dagegen auch mit vollem Magen zurück. Sie drehen sich um die nächste Mahlzeit, die Vorräte zu Hause, Kalorien oder die Frage, ob man heute so gegessen hat, wie man sollte, und stören bei der Arbeit oder beim Entspannen.

Laut einer Expertengruppe, die 2024 eine Definition des ständigen Denkens ans Essen erarbeitet hat, sind solche Gedanken belastend und können der Gesundheit oder den Beziehungen zu Angehörigen schaden. Von der gewöhnlichen Planung von Mahlzeiten unterscheiden sie sich durch ihre Stärke und Aufdringlichkeit. Sie ähneln dem Grübeln (Rumination), also dem ständigen gedanklichen Zurückkehren zu einem Thema (1).

Wie unterscheidet man Hunger, aufdringliche Gedanken ans Essen und emotionales Essen?

Leichter fällt die Unterscheidung, wenn Sie auf drei Dinge achten: wann der Wunsch zu essen auftritt, worauf er sich richtet und was nach dem Essen passiert. Emotionales Essen bedeutet, unter dem Einfluss von Gefühlen zu etwas Essbarem zu greifen, ohne körperlichen Hunger, um Anspannung abzubauen.

Körperlicher HungerAufdringliche Gedanken ans EssenEmotionales Essen
Wann tritt es auf?meist einige Stunden nach einer Mahlzeitzu jeder Tageszeit, auch direkt nach dem Essenals Reaktion auf Stress, Traurigkeit, Langeweile oder Freude
Worum geht es?um das Bedürfnis, etwas Sättigendes zu essenum die nächste Mahlzeit, die Vorräte zu Hause, Kalorien, die Frage, ob ich richtig esseoft um ein bestimmtes Essen, das Genuss oder Erleichterung bringen soll
Was passiert nach dem Essen?der Hunger lässt nach, Sättigung setzt eindie Gedanken können trotz vollem Magen zurückkehrendie Anspannung kann kurz nachlassen, ihre Ursache bleibt aber
Was kann helfen?regelmäßige Mahlzeiten, 3-5 am Tagregelmäßige Mahlzeiten, weniger Reize rund ums Essen, Schlaf und, wenn die Gedanken das Leben erschweren, ein Gespräch mit einem Arzt oder Psychologenlernen, Gefühle zu erkennen und anders mit Anspannung umzugehen, Arbeit mit einem Psychologen

Diese drei Zustände lassen sich nicht immer voneinander trennen, denn Gedanken ans Essen entstehen manchmal aus Hunger, und bei manchen Menschen werden sie durch Gefühle und Stress ausgelöst. Essen mit dem Gefühl, nicht aufhören zu können, verbunden mit großer Unruhe, nennen Ärzte Kontrollverlust beim Essen. Seine stärkste Form ist der Essanfall. Wie sich emotionales Essen von Bulimie unterscheidet und wo Sie Hilfe finden, erklären wir im Artikel über Essanfälle.

Ist ständiges Denken ans Essen eine Krankheit?

Nein. Forscher streiten sogar darüber, ob es sich um ein eigenständiges Phänomen handelt oder um etwas, das seit Langem anders beschrieben wird: als gedankliche Fixierung auf Essen, als Heißhunger und als starke Reaktion auf den Anblick oder Geruch von Essen. 2025 wurde der erste Fragebogen zur Messung dieser Gedanken beschrieben, der aus fünf Aussagen besteht und auf seine Zuverlässigkeit geprüft wurde. Seine Autoren betonen jedoch, dass erst noch untersucht werden muss, ob er in der Behandlung nützt (9). Die Autoren eines Kommentars von 2026 warnen zudem davor, etwas zur Krankheit zu erklären, was für viele Menschen eine gewöhnliche Erfahrung ist (2).

In einer repräsentativen Umfrage unter 1000 erwachsenen US-Amerikanern gab jeder Zweite an, solche Gedanken zumindest manchmal zu haben, und 18% oft oder immer. Am häufigsten hatten sie Menschen, die im letzten Monat die Kontrolle über ihr Essen verloren hatten: 57% von ihnen dachten oft oder immer ans Essen (4). Die Umfrage erfasste die Gedanken ans Essen mit einer einzigen Frage. Sie zeigt also, wie viele Menschen sie aus eigener Erfahrung kennen, nicht aber, bei wie vielen sie ein behandlungsbedürftiges Problem sind.

Warum denke ich ständig ans Essen?

Forscher bringen ständige Gedanken ans Essen mit den Hunger- und Sättigungshormonen und mit dem Belohnungssystem im Gehirn in Verbindung. Hunger und Heißhunger nehmen meist bei einer strengen Diät, bei Schlafmangel und unter Stress zu.

Was passiert nach dem Abnehmen mit den Hungerhormonen?

In einer australischen Studie hielten 50 Menschen mit Übergewicht oder Adipositas 10 Wochen lang eine sehr kalorienarme Diät ein und nahmen im Schnitt 13,5 kg ab. Ein Jahr später hatten die Teilnehmer immer noch mehr Ghrelin, ein Hormon, das Hunger auslöst, und weniger Leptin und Peptid YY, die den Appetit hemmen. Sie hatten außerdem mehr Hunger als vor dem Abnehmen (3). Im Artikel über den Jo-Jo-Effekt erklären wir, warum das Gewicht deshalb nach einer Diät oft zurückkommt.

Schon eine strenge Einschränkung des Essens allein kann dazu führen, dass man öfter daran denkt. Die Autoren der Definition verweisen auf das klassische Minnesota-Experiment, in dem gesunde Männer ein halbes Jahr lang eine Halbhungerdiät einhielten und viel gehen mussten. Sie begannen daraufhin, obsessiv ans Essen zu denken, und manche sammelten Kochbücher (1). In der US-amerikanischen Umfrage unter 1000 Erwachsenen hatten 28% der Menschen, die weniger aßen, um ihr Gewicht oder ihre Figur zu verändern, häufige Gedanken ans Essen, gegenüber 18% in der gesamten Gruppe (4).

Warum denken wir ans Essen, wenn wir es sehen?

Das Belohnungssystem besteht aus Hirnregionen, durch die uns etwas angenehm und der Mühe wert erscheint. Eine Untersuchung mit Magnetresonanztomografie (MRT) zeigte, dass die Insula und die Amygdala, also Regionen, die mit Appetit und Belohnung zusammenhängen, bei Menschen mit Adipositas stärker auf Bilder von Essen reagierten als bei schlanken Menschen (10). Eine Metaanalyse von 45 Arbeiten mit 3292 Teilnehmern zeigte, dass Menschen, die stärker auf den Anblick von Essen reagierten und stärkeren Heißhunger hatten, im Durchschnitt mehr aßen und mit der Zeit stärker zunahmen. Fotos und Videos von Essen wirkten dabei ähnlich wie Essen, das auf dem Tisch stand (11).

Wie beeinflussen Schlaf und Stress Hunger und Appetit?

Hunger und Appetit steigen nach kurzen Nächten. An einer kleinen Studie nahmen 12 gesunde junge Männer teil. Nach zwei Tagen mit verkürztem Schlaf hatten sie einen um 28% höheren Ghrelinspiegel und 24% stärkeren Hunger als nach zwei Tagen mit langem Schlaf, und ihre Lust auf kalorienreiches, kohlenhydratreiches Essen stieg um 33-45% (12). Nach den Empfehlungen der Polnischen Gesellschaft für Adipositasbehandlung (PTLO) regen auch Gefühle und Stress den Appetit an.

Wie wirkt ein Medikament gegen Adipositas auf die Gedanken ans Essen?

Semaglutid aktiviert die Rezeptoren für GLP-1, ein Hormon aus dem Darm, Tirzepatid zusätzlich die Rezeptoren für das Hormon GIP. Diese Rezeptoren finden sich unter anderem im Hypothalamus, der Hunger und Sättigung steuert, und im Nucleus accumbens, einem wichtigen Teil des Belohnungssystems. In Studien aßen Menschen, die mit diesen Medikamenten behandelt wurden, weniger, hatten schwächeren Heißhunger und mehr Kontrolle darüber, was sie aßen.

In der oben beschriebenen MRT-Studie schwächte ein intravenös verabreichtes Medikament, das den GLP-1-Rezeptor aktiviert, bei Menschen mit Adipositas die Reaktion von Insula, Amygdala und orbitofrontalem Kortex auf Bilder von Essen ab, und die Teilnehmer aßen weniger. Wurde der GLP-1-Rezeptor vor der Gabe des Medikaments blockiert, verschwand dieser Effekt weitgehend (10).

Wie wirken Semaglutid und Tirzepatid auf Hunger und Heißhunger?

An einer Studie nahmen 72 Erwachsene mit Adipositas teil. Wer 20 Wochen lang Semaglutid erhielt, mit schrittweiser Dosissteigerung bis 2,4 mg, aß bei einer Mahlzeit, bei der man nach Belieben essen durfte, 35% weniger Kalorien als die Teilnehmer der Placebogruppe. Diese Menschen hatten weniger Hunger und fühlten sich stärker gesättigt, Heißhunger trat bei ihnen seltener und schwächer auf, und sie hatten mehr Kontrolle über ihr Essen (5).

Die Studie zu Tirzepatid dauerte 6 Wochen und umfasste 114 Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas. Nach 3 Wochen aßen die mit Tirzepatid Behandelten bei einer ähnlichen Mahlzeit etwa 525 kcal weniger als die Teilnehmer der Placebogruppe. Sie hatten weniger Lust auf fettes, süßes und stärkereiches Essen und neigten weniger dazu, sich beim Anblick und Geruch von Essen oder unter Stress zu überessen. Zur selben Zeit zeigte die MRT, dass ihre Hirnregionen, die an der Bewertung von Belohnung beteiligt sind, schwächer auf Bilder von Kuchen, Keksen und Süßigkeiten reagierten. Nach 6 Wochen bestand bei dieser Reaktion des Gehirns kein signifikanter Unterschied mehr zwischen den Gruppen. Die Autoren weisen darauf hin, dass die Ergebnisse der Bildgebung bestätigt werden müssen, weil viele Vergleiche ohne statistische Korrektur durchgeführt wurden, die das Risiko von Zufallstreffern begrenzt (13).

Denken Menschen mit einem Medikament gegen Adipositas wirklich weniger ans Essen?

Studien, die gezielt die Gedanken ans Essen gemessen haben, gibt es wenige, und die meisten beruhen auf Angaben der Patienten (1). In einer Umfrage unter 550 US-Amerikanern, die mit Semaglutid behandelt wurden, gaben 62% an, vor der Behandlung den ganzen Tag ans Essen gedacht zu haben. Zum Zeitpunkt der Umfrage, also während der Behandlung, dachten 16% den ganzen Tag ans Essen (14). Dieses Ergebnis ist mit Vorsicht zu deuten: Die Teilnehmer beurteilten den Zustand vor der Behandlung aus der Erinnerung, befragt wurden nur Menschen, die das Medikament noch einnahmen, es gab keine Vergleichsgruppe, und die Studie wurde vom Hersteller von Semaglutid zusammen mit einem Forschungsunternehmen konzipiert. In Interviews mit 31 Menschen, die Medikamente gegen Adipositas erhielten, berichteten die meisten, dass sie seltener ans Essen dachten. Bei einem Teil derer, deren Gewicht nicht mehr sank, kehrten diese Gedanken allmählich zurück, wenn auch schwächer als vor der Behandlung (15).

Bringt ein Medikament gegen Adipositas die Gedanken ans Essen dauerhaft zum Schweigen?

Es gibt keine Belege dafür, dass aufdringliche Gedanken ans Essen nach der Behandlung dauerhaft verschwinden. Studien zu Hunger und Heißhunger betreffen andere Symptome und können diese Frage daher allein nicht beantworten.

In der Studie STEP 5 erhielten Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas zwei Jahre lang Semaglutid in der Dosis 2,4 mg oder Placebo, und 174 von ihnen füllten einen Fragebogen zur Kontrolle des Essverhaltens aus. Wer Semaglutid erhielt, hatte in Woche 20, 52 und 104 mehr Kontrolle über den Heißhunger und weniger Lust auf herzhafte Speisen. Auf Süßes hatten diese Teilnehmer in Woche 20 und 52 deutlich weniger Lust, in Woche 104 nicht mehr. Weniger Hunger und ein stärkeres Sättigungsgefühl als in der Placebogruppe hatten sie nur in Woche 20 (6).

Beschrieben wurde außerdem der Einzelfall einer ungewöhnlichen Patientin: einer 60-jährigen Frau mit Typ-2-Diabetes nach einer Adipositasoperation, der im Rahmen einer experimentellen Studie Elektroden ins Gehirn implantiert worden waren. Sie nahm Tirzepatid und hatte etwa drei Monate lang keine Phasen verstärkten Denkens ans Essen, dann kehrten diese Phasen trotz der höchsten Dosis zurück (8). Von einem einzigen so besonderen Fall lässt sich nicht auf andere Patienten schließen.

Was tun, wenn die Gedanken ans Essen während der Behandlung zurückkehren?

Kehren aufdringliche Gedanken ans Essen während der Behandlung zurück, müssen Sie das dem Arzt melden, und die Dosis dürfen Sie nicht selbst ändern. Der Arzt beurteilt, ob die Ursache in der Behandlungsphase oder der Dosis liegt oder zum Beispiel in Schlafmangel, Stress oder unregelmäßigen Mahlzeiten. Was zu tun ist, wenn das Körpergewicht nicht mehr sinkt, beschreiben wir im Artikel Gewicht stagniert unter einem Medikament gegen Adipositas.

Was passiert nach dem Absetzen des Medikaments mit den Gedanken ans Essen?

Was nach dem Absetzen des Medikaments mit aufdringlichen Gedanken ans Essen geschieht, ist noch nicht genau bekannt. In der Studie STEP 1 wurde die erneute Gewichtszunahme untersucht, nicht die Rückkehr aufdringlicher Gedanken ans Essen. Teilnehmer, die Semaglutid abgesetzt und das Programm zur Lebensstiländerung beendet hatten, hatten nach einem Jahr im Schnitt zwei Drittel der verlorenen Kilos wieder zugenommen (16). Wie Sie sich auf das Absetzen vorbereiten und was Sie erwartet, erklären wir im Artikel darüber, was nach dem Absetzen eines Medikaments gegen Adipositas passiert.

Was hilft, wenn ich ständig ans Essen denke?

Helfen können regelmäßige Mahlzeiten statt Hungern, weniger Reize, die ans Essen erinnern, ausreichend Schlaf und die Arbeit mit einem Psychologen. Bei Menschen mit Adipositas kann der Arzt zusätzlich eine Behandlung mit einem Medikament erwägen.

  • Die PTLO empfiehlt, regelmäßig 3-5 Mahlzeiten am Tag zu essen, ohne Snacks dazwischen und mit einer Pause über Nacht (7). Wie Sie Ihre Mahlzeiten planen, wenn das Medikament den Appetit dämpft, beschreiben wir im Artikel darüber, was man mit einem Medikament gegen Adipositas essen sollte.
  • Reduzieren Sie Reize rund ums Essen, auch die auf dem Bildschirm. Sie können zum Beispiel einem Teil der Food-Accounts in sozialen Medien entfolgen, Snacks außer Sichtweite aufbewahren und mit Einkaufsliste einkaufen. Das ist die Reizkontrolle, die die PTLO unter den Methoden der Adipositasbehandlung nennt (7).
  • Ausreichend Schlaf kann es erleichtern, den Appetit zu kontrollieren, denn Schlafmangel verstärkt den Hunger.
  • Wer sich verbietet, ans Essen zu denken, isst danach womöglich mehr. In einer Studie mit 116 Frauen aßen Teilnehmerinnen, die im Alltag ihr Essen einschränkten und die Anweisung bekamen, nicht an Schokolade zu denken, danach mehr Schokolade als Frauen, die ihr Essen ebenfalls einschränkten, aber an Schokolade denken durften (17). Statt einen solchen Gedanken wegzuschieben, prüfen Sie besser, woher er kommt: aus Hunger, Müdigkeit, Langeweile oder Gefühlen.
  • Laut PTLO sollte der Arzt oder Psychologe Menschen mit Adipositas erklären, wie sich Hunger von Appetit unterscheidet, wie Gefühle und Stress den Appetit anregen und wie man der Lust auf leckeres Essen nicht sofort nachgibt. Bei Essstörungen, Depression oder Angststörungen ist eine Psychotherapie angezeigt, und bei Menschen mit Adipositas ist die Wirksamkeit der kognitiven Verhaltenstherapie belegt (7).

Wann sollte man mit Gedanken ans Essen zum Arzt oder Psychologen gehen?

Ein Termin beim Arzt oder Psychologen ist sinnvoll, wenn die Gedanken ans Essen den Alltag stören, wenn sie mit Kontrollverlust beim Essen, Erbrechen oder der Einnahme von Abführmitteln nach dem Essen einhergehen und wenn das Körpergewicht trotz Diät und Bewegung nicht sinkt oder sogar steigt. Anzeichen, die Sie mit Fachleuten besprechen sollten:

  • Die Gedanken ans Essen beanspruchen so viel Aufmerksamkeit, dass es schwerfällt, sich auf die Arbeit oder ein Gespräch zu konzentrieren oder einzuschlafen
  • Sie essen manchmal mit dem Gefühl, nicht aufhören zu können, und schämen sich danach oder haben Schuldgefühle
  • Nach dem Essen lösen Sie manchmal Erbrechen aus, greifen zu Abführmitteln oder hungern lange
  • Die Gedanken ans Essen gehen mit gedrückter Stimmung, Angst oder chronischem Stress einher
  • Der BMI beträgt mindestens 30 oder mindestens 27 bei Bluthochdruck, Prädiabetes oder einer anderen gewichtsbedingten Erkrankung, und Diät und Bewegung haben keine nennenswerte Gewichtsabnahme gebracht (7)

Nach den Empfehlungen der PTLO beurteilt der Arzt, der die Adipositas behandelt, bei jedem Termin das psychische Befinden des Patienten. Empfohlen sind außerdem Screening-Untersuchungen auf Depression und Essstörungen. Ist das Ergebnis auffällig oder erschweren die Beschwerden die Behandlung, überweist der Arzt den Patienten an einen Psychiater oder klinischen Psychologen (7). Wenn Sie nicht wissen, an welchen Arzt Sie sich mit Adipositas zuerst wenden sollen, lesen Sie den Artikel darüber, wie man mit der Adipositasbehandlung beginnt.

Wie läuft die Adipositasbehandlung bei Nasz Gabinet ab?

Bei Nasz Gabinet behandeln wir Adipositas bei Erwachsenen in einem 6-monatigen Online-Programm. Der Arzt stellt die Diagnose anhand von BMI und Taillenumfang, beurteilt die Blutwerte und entscheidet nach den Kriterien der PTLO, ob der Patient ein Medikament einnehmen kann. Zum Programm gehören Videosprechstunden mit einem Arzt und einem Psychologen sowie monatliche ärztliche Kontrollen anhand der Daten aus der App. Nach jeder Beurteilung stellt der Arzt, wenn die Behandlung fortgesetzt werden soll, ein E-Rezept aus, und das Medikament kauft der Patient in der Apotheke. Wenn die Gedanken ans Essen mit steigendem Gewicht einhergehen und weitere Diäten nicht helfen, ist es sinnvoll, eine Adipositasbehandlung zu beginnen, bei der der Arzt zuerst prüft, ob ein Medikament angezeigt ist. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.

Häufig gestellte Fragen

Ist es normal, direkt nach dem Essen wieder ans Essen zu denken?

Ans Essen zu denken ist normal, auch nach einer Mahlzeit, zum Beispiel beim Planen des Einkaufs oder des Abendessens. Bedenklich sind Gedanken, die gegen den eigenen Willen wiederkehren, belastend sind und bei der Arbeit, beim Schlafen oder im Umgang mit anderen Menschen stören.

Ist ständiges Denken ans Essen ein Zeichen für eine Essstörung?

Ständiges Denken ans Essen allein bedeutet keine Essstörung, kann aber mit einer einhergehen. In der Umfrage unter Erwachsenen in den USA hingen häufige Gedanken ans Essen am stärksten mit Kontrollverlust beim Essen zusammen. Wenn die Gedanken mit Essanfällen, Erbrechen, der Einnahme von Abführmitteln oder Hungern einhergehen, ist ein Gespräch mit einem Arzt oder Psychologen nötig.

Bringt ein Medikament gegen Adipositas bei jedem die Gedanken ans Essen zum Schweigen?

Nicht bei jedem und nicht im gleichen Maß. In der Umfrage unter Menschen, die mit Semaglutid behandelt wurden, gaben 16% an, weiterhin den ganzen Tag ans Essen zu denken. Die zweijährige Studie betraf dagegen Hunger und Heißhunger, nicht die aufdringlichen Gedanken ans Essen selbst. Laut PTLO ersetzt ein Medikament nicht die Behandlung mit Ernährung, Bewegung und psychologischer Unterstützung, und daran sollte der Arzt bei jedem Termin erinnern (7).

Quellen

  1. Dhurandhar EJ, Maki KC, Dhurandhar NV et al. Food noise: definition, measurement, and future research directions. Nutr Diabetes. 2025;15(1):30. PMID 40628707, DOI
  2. Brewis A, Hayashi D, Gualano B et al. Food noise: Conceptual, methodological, and ethical considerations. Appetite. 2026;226:108700. PMID 42392316, DOI
  3. Sumithran P, Prendergast LA, Delbridge E et al. Long-term persistence of hormonal adaptations to weight loss. N Engl J Med. 2011;365(17):1597-1604. PMID 22029981, DOI
  4. Hayashi D, Masterson TD. Prevalence and Correlates of Perceived Food Noise Among U.S. Adults in a Nationally Representative Sample. Obes Sci Pract. 2026;12(5):e70201. PMID 42801078, DOI
  5. Friedrichsen M, Breitschaft A, Tadayon S et al. The effect of semaglutide 2.4 mg once weekly on energy intake, appetite, control of eating, and gastric emptying in adults with obesity. Diabetes Obes Metab. 2021;23(3):754-762. PMID 33269530, DOI
  6. Wharton S, Batterham RL, Bhatta M et al. Two-year effect of semaglutide 2.4 mg on control of eating in adults with overweight/obesity: STEP 5. Obesity (Silver Spring). 2023;31(3):703-715. PMID 36655300, DOI
  7. Bąk-Sosnowska M, Białkowska M, Bogdański P et al. Zalecenia kliniczne dotyczące postępowania u chorych na otyłość 2024 - stanowisko Polskiego Towarzystwa Leczenia Otyłości (Klinische Empfehlungen zur Behandlung von Patienten mit Adipositas, Stellungnahme der PTLO). Medycyna Praktyczna, Sonderausgabe, September 2024. ptlo.org.pl
  8. Choi W, Nho YH, Qiu L et al. Brain activity associated with breakthrough food preoccupation in an individual on tirzepatide. Nat Med. 2025;31(12):4038-4043. PMID 41249493, DOI
  9. Diktas HE, Cardel MI, Foster GD et al. Development and validation of the Food Noise Questionnaire. Obesity (Silver Spring). 2025;33(2):289-297. PMID 39828656, DOI
  10. van Bloemendaal L, IJzerman RG, Ten Kulve JS et al. GLP-1 receptor activation modulates appetite- and reward-related brain areas in humans. Diabetes. 2014;63(12):4186-4196. PMID 25071023, DOI
  11. Boswell RG, Kober H. Food cue reactivity and craving predict eating and weight gain: a meta-analytic review. Obes Rev. 2016;17(2):159-177. PMID 26644270, DOI
  12. Spiegel K, Tasali E, Penev P, Van Cauter E. Sleep curtailment in healthy young men is associated with decreased leptin levels, elevated ghrelin levels, and increased hunger and appetite. Ann Intern Med. 2004;141(11):846-850. PMID 15583226, DOI
  13. Martin CK, Carmichael OT, Carnell S et al. Tirzepatide on ingestive behavior in adults with overweight or obesity: a randomized 6-week phase 1 trial. Nat Med. 2025;31(9):3141-3150. PMID 40555748, DOI
  14. Arnaut T, Duncan S, Faurby M et al. Retrospective Assessment of Food Noise Changes After Initiation of Injectable Semaglutide for Weight Management in the USA: The INFORM Survey. Adv Ther. 2026;43(8):3649-3659. PMID 42217114, DOI
  15. Chong MC, Ko TYL, le Roux PL, le Roux CW. Changes in Eating Behaviour During Treatment With Obesity Medications. Clin Obes. 2026;16(1):e70065. PMID 41420306, DOI
  16. Wilding JPH, Batterham RL, Davies M et al. Weight regain and cardiometabolic effects after withdrawal of semaglutide: The STEP 1 trial extension. Diabetes Obes Metab. 2022;24(8):1553-1564. PMID 35441470, DOI
  17. Erskine JAK, Georgiou GJ. Effects of thought suppression on eating behaviour in restrained and non-restrained eaters. Appetite. 2010;54(3):499-503. PMID 20152872, DOI

Die Gedanken ans Essen lassen Sie nicht los, und das Gewicht steigt?

Im 6-monatigen Online-Programm prüft der Arzt, ob ein Medikament gegen Adipositas für Sie angezeigt ist. In Videosprechstunden mit einem Psychologen können Sie emotionales Essen und Ihre Gedanken ans Essen besprechen.