Geschichte des DAST - wie Skinners Instrument entstand
Der DAST wurde 1982 vom kanadischen Forscher Harvey A. Skinner an der Addiction Research Foundation in Toronto entwickelt (heute Teil des CAMH). Die erste Veröffentlichung erschien in der Zeitschrift Addictive Behaviors (Skinner H.A., 1982, vol. 7, S. 363-371; PMID: 7183189).
Warum entstand der DAST?
Skinner konzipierte den DAST als Pendant zum MAST (Michigan Alcohol Screening Test) für Substanzen außer Alkohol. Ziel war ein Instrument, das ein Hausarzt oder Therapeut ohne spezielle Schulung im Rahmen einer regulären Sprechstunde nutzen kann.
Vom DAST-28 zum DAST-10
Die Originalversion umfasste 28 Fragen. Die psychometrische Analyse zeigte, dass die 10 stärksten Items bei deutlich kürzerer Bearbeitungszeit nahezu die volle diagnostische Genauigkeit beibehalten. Der DAST-10 ist heute der Standard für das ambulante Screening und wird unter anderem vom NIDA (National Institute on Drug Abuse) in den USA empfohlen.
Aufbau des Tests - 10 Fragen, Skala 0-10 und umgekehrte Bewertung
Der DAST-10 besteht aus 10 Ja-Nein-Fragen, die auf einer Skala von 0-1 bewertet werden. Die maximale Punktzahl beträgt 10. Die Fragen decken zentrale Bereiche zur Diagnose einer Substanzgebrauchsstörung gemäß ICD-10/ICD-11 ab.
Diagnostische Bereiche
- Konsummuster (Fr. 1-2) - Einnahme außerhalb der Indikation, Polypharmazie
- Kontrollverlust (Fr. 3) - Fähigkeit, den Konsum zu beenden
- Psychische Folgen (Fr. 4-5) - Flashbacks, Erinnerungslücken, Schuldgefühle
- Soziale Folgen (Fr. 6-8) - Bedenken Angehöriger, Vernachlässigung der Familie, illegale Handlungen
- Physiologische Symptome (Fr. 9-10) - Entzugserscheinungen, gesundheitliche Probleme
Frage 3 - umgekehrt bewertet
Frage 3 lautet: "Können Sie immer aufhören, Medikamente einzunehmen, wenn Sie wollen?" und wird umgekehrt bewertet. Die Antwort Nein ergibt 1 Punkt (Hinweis auf Kontrollverlust), die Antwort Ja ergibt 0 Punkte. Diese Anordnung folgt Skinners ursprünglicher Konstruktion und ist beabsichtigt - sie hilft, Personen zu erkennen, die das Problem in einem reinen Ja/Ja-Muster sonst herunterspielen würden.
Interpretation der Ergebnisse - 4 CAMH-Schwellenwerte und empfohlene Interventionen
CAMH definiert vier Punkteschwellen und ordnet jeder spezifische klinische Empfehlungen zu. Der Schwellenwert von 3 Punkten gilt als am häufigsten zitierte Grenze für eine wahrscheinliche Substanzgebrauchsstörung, die eine weitere Abklärung erfordert.
0-2 Punkte - kein oder geringer Problemumfang
Die Medikamenteneinnahme weist nicht auf ein Problem hin. Empfohlene Intervention: Beobachtung und gegebenenfalls erneute Abklärung in der Zukunft. Grundlegende Aufklärung über die Risiken einer Einnahme außerhalb der Indikation.
3-5 Punkte - moderater Problemumfang
Das Konsummuster kann bereits Folgen verursachen. Empfohlene Intervention: weiterführende klinische Abklärung durch einen Psychiater oder Suchtmediziner. Häufig genügen ein vertieftes Anamnesegespräch und eine kurze motivierende Intervention.
6-8 Punkte - erheblicher Problemumfang
Die Antworten weisen auf eine bestehende Substanzgebrauchsstörung mit gesundheitlichen und sozialen Schäden hin. Empfohlene Intervention: intensive klinische Abklärung, Erwägung der Behandlung der Medikamentenabhängigkeit, einschließlich pharmakologischer Entgiftung und Suchtpsychotherapie.
9-10 Punkte - schwerwiegender Problemumfang
Das Ergebnis weist deutlich auf eine fortgeschrittene Abhängigkeit mit wahrscheinlichen Komplikationen hin. Empfohlene Intervention: dringende fachärztliche Beurteilung und vollständiger Behandlungsplan - Entgiftung, Pharmakotherapie gegen Suchtdruck und Psychotherapie.
DAST im Vergleich zu AUDIT und DUDIT - wann welcher Test?
Im Screening substanzbezogener Störungen kommen drei verschiedene Instrumente zum Einsatz, jedes mit unterschiedlichem Substanzfokus.
DAST-10 - Medikamente und Substanzen außer Alkohol
Erfasst alle psychoaktiven Substanzen außer Alkohol: verschreibungspflichtige Medikamente außerhalb der Indikation (Benzodiazepine, Opioide, Stimulanzien), rezeptfreie Medikamente in Übermaß sowie illegale Substanzen. Das Mittel der Wahl bei Verdacht auf Medikamentenmissbrauch.
AUDIT - Alkohol
Der AUDIT-Test (Babor et al., WHO 1989) erfasst ausschließlich alkoholbezogene Risiken. 10 Fragen auf einer Skala von 0-4, diagnostischer Schwellenwert 8 Punkte.
DUDIT - illegale Drogen
Der DUDIT-Test (Berman et al., Karolinska Institutet 2002/2005) ist detaillierter und differenziert besser zwischen Konsummustern bestimmter illegaler Substanzen. 11 Fragen, Skala 0-44.
Wann den DAST wählen?
Der DAST-10 ist optimal bei Verdacht auf Missbrauch verschreibungspflichtiger oder rezeptfreier Medikamente - Schlafmittel, Beruhigungsmittel, opioidhaltige Schmerzmittel, Stimulanzien. Bei breiter angelegtem Konsum illegaler Substanzen ist der DUDIT geeigneter. Bei Alkohol der AUDIT.
Grenzen des DAST - was der Fragebogen nicht erfasst
Der DAST-10 ist ein Screening-Instrument und ersetzt keine klinische Diagnose. Eine Substanzgebrauchsstörung kann ausschließlich von einem Psychiater oder Suchtmediziner auf Grundlage einer vollständigen klinischen Untersuchung (Kriterien ICD-10/ICD-11 oder DSM-5) diagnostiziert werden.
Wann kann das Ergebnis ungenau sein?
- Verharmlosung - Betroffene unterschätzen ihre Antworten häufig (Verleugnung). Der DAST beruht ausschließlich auf Selbstangaben.
- Patienten in Langzeittherapie - Personen, die Opioide bei chronischen Schmerzen oder Benzodiazepine bei Angststörungen einnehmen, können trotz indikationsgerechter Anwendung positive Werte erzielen. Der klinische Kontext ist entscheidend.
- Ältere Patienten - Polypharmazie ist im höheren Alter häufig und erfordert eine gesonderte geriatrische Beurteilung.
- Keine KCPU-Validierung für Polnisch - die polnische Version des DAST liegt nicht in einer offiziellen Übersetzung des Nationalen Zentrums für Suchtprävention vor. Wir verwenden eine eigene Übersetzung auf Grundlage des Skinner/CAMH-Originals.
Der DAST differenziert nicht zwischen Substanzen
Der Test zeigt, dass ein Problem mit Medikamenten oder anderen Substanzen besteht, gibt aber nicht an, welche konkret betroffen sind. Eine vollständige Diagnose erfordert ein klinisches Anamnesegespräch sowie gegebenenfalls toxikologische und labordiagnostische Untersuchungen (Leberwerte, Blutbild, EKG).
Der DAST-10-Test ist nur orientierend und stellt keine medizinische Diagnose dar. Falls Sie das Ergebnis beunruhigt, vereinbaren Sie einen Beratungstermin mit einem Facharzt.

