Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), eine Einrichtung der WHO, bewertete 2016 die Belege für den Zusammenhang zwischen übermäßigem Körperfett und dreizehn Tumorlokalisationen oder -arten als ausreichend. Dazu zählen Dick- und Enddarm, Adenokarzinome der Speiseröhre, Magenkardia, Leber, Gallenblase, Bauchspeicheldrüse, Niere, Eierstock, Gebärmutterschleimhaut, Brust nach den Wechseljahren und Schilddrüse sowie Meningeome und multiples Myelom. Acht kamen gegenüber der früheren Bewertung hinzu. Nicht alle diese Tumoren sind bösartig: Meningeome können gutartig sein. Adipositas ist ein beeinflussbarer Risikofaktor, bedeutet aber nicht, dass jeder Betroffene Krebs bekommt.
Wie verändert sich das Risiko je 5 BMI-Punkte?
Die PTLO fasst Metaanalysen zusammen, die je 5 kg/m² höherem BMI ein etwa 30 bis 60 % höheres Risiko für Gebärmutterschleimhautkrebs, Adenokarzinome der Speiseröhre und Nierenkrebs sowie etwa 13 bis 18 % für Darm-, Bauchspeicheldrüsen- und Brustkrebs nach den Wechseljahren beschreiben. Das sind breite Bereiche relativer Risiken, keine 13 bis 18 zusätzlichen Fälle je 100 Personen und keine persönliche Vorhersage. Ergebnisse unterscheiden sich nach Studie, Geschlecht und Tumorlokalisation. Bei 178 cm Körpergröße entsprechen 5 BMI-Punkte etwa 16 kg. Die Tabelle zeigt Themen für das Arztgespräch.
| Tumor | Was über den Zusammenhang mit Adipositas bekannt ist | Wonach wir im Gespräch fragen |
|---|
Gebärmutterkörperkrebs | Mit höherem BMI verbunden; hormonelle Veränderungen sind ein Einflussfaktor | Letzter Termin beim Frauenarzt, Blutung nach den Wechseljahren |
Adenokarzinom der Speiseröhre | Der Zusammenhang betrifft Adenokarzinome, nicht jeden Speiseröhrentumor | Sodbrennen seit Jahren, Schluckbeschwerden, frühere Magenspiegelung |
Nierenkrebs | Die Stärke des Zusammenhangs unterscheidet sich bei Frauen und Männern | Blut im Urin, letzte Ultraschalluntersuchung des Bauchs |
Darmkrebs | Ergebnisse unterscheiden sich nach Geschlecht und Darmabschnitt | Darmspiegelung nach dem 50. Lebensjahr, Blut im Stuhl, Darmkrebs in der Familie |
Bauchspeicheldrüsenkrebs | Übermäßiges Körperfett gehört zu den Risikofaktoren | Oberbauchschmerzen mit Ausstrahlung in den Rücken, Gelbfärbung der Haut |
Brustkrebs nach den Wechseljahren | Der Zusammenhang betrifft vor allem Frauen nach den Wechseljahren | Letzte Mammografie, tastbarer Knoten |
Wie hängen Adipositas und Tumoren zusammen?
Insulinresistenz und Veränderungen der Signalwege von Insulin und Wachstumsfaktoren können die Zellvermehrung begünstigen. Aromatase im Fettgewebe wandelt Androgene in Östrogene um und erklärt einen Teil des Zusammenhangs mit Gebärmutterschleimhaut- und Brustkrebs nach den Wechseljahren. Auch chronische Entzündungen und die Darmmikrobiota könnten beteiligt sein. Der bei Adipositas häufigere Reflux kann die Speiseröhre schädigen. Diese komplexen Mechanismen führen nicht bei jedem Menschen mit Adipositas zu einem Tumor.
Kann eine Gewichtsabnahme das Krebsrisiko senken?
Die Beobachtungsstudie SPLENDID verglich 5.053 bariatrisch operierte Menschen mit 25.265 vergleichbaren Personen ohne Operation. Die geschätzte kumulative Häufigkeit adipositasassoziierter Krebserkrankungen nach 10 Jahren lag bei 2,9 % gegenüber 4,9 %, die krebsbedingte Sterblichkeit bei 0,8 % gegenüber 1,4 %. Der Gewichtsunterschied betrug etwa 25 kg. Die mediane Nachbeobachtung lag bei 6,1 Jahren. Ohne zufällige Gruppenzuteilung zeigt das einen Zusammenhang, beweist aber nicht, dass die Operation selbst Krebs verhindert hat.
Eine Analyse von 2025 mit 86.632 Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas erfasste für 14 Tumorarten 13,6 gegenüber 16,4 Fälle je 1.000 Personenjahre unter GLP-1-Rezeptoragonisten beziehungsweise ohne diese Medikamente. Personenjahre fassen die Beobachtungszeiten aller Teilnehmer zusammen. Die untersuchte Auswahl enthielt Lungenkrebs und entsprach nicht genau der IARC-Liste. Ein unsicheres Signal für ein möglicherweise erhöhtes Nierenkrebsrisiko muss weiter geprüft werden. Auch diese Studie war beobachtend; wir bieten Adipositasmedikamente nicht als Schutz vor Krebs an.
Können Medikamente gegen Adipositas Tumoren auslösen?
Bedenken zur Schilddrüse gehen zum Teil auf Nagetierstudien zurück, in denen Semaglutid Tumoren der C-Zellen verursachte. Die europäische Fachinformation beschreibt eine besondere Empfindlichkeit von Nagetieren für diesen Mechanismus. Die Bedeutung für Menschen gilt als gering, lässt sich aber nicht vollständig ausschließen. Eine Studie von 2025 aus sechs Ländern verglich 98.147 Anwender von GLP-1-Rezeptoragonisten mit fast 2,5 Millionen Anwendern von DPP-4-Hemmern, alle mit Typ-2-Diabetes. Der Hauptvergleich zeigte kein erhöhtes Schilddrüsenkrebsrisiko. Die mediane Nachbeobachtung betrug jedoch nur 1,8 bis 3 Jahre, was langfristige Aussagen begrenzt. TSH prüft die Schilddrüsenfunktion und schließt Krebs nicht aus. Ultraschall erfolgt bei entsprechender Indikation, etwa einem tastbaren Knoten.
Was bedeuten diese Erkenntnisse für unsere Behandlung?
Wir sprechen im Erstgespräch über Vorsorge und berücksichtigen den Vorsorgestatus bei der Auswertung der App-Daten. Untersuchungen richten sich nach Alter, Beschwerden sowie eigener und familiärer Krankengeschichte. Ein gesundes Gewicht gehört zur Prävention, aber Abnehmen ersetzt keine Vorsorge und garantiert keinen Schutz vor Krebs. Nach einer Krebserkrankung stimmen wir den Plan mit dem behandelnden Team ab.