Vom Zustand des Herzens hängen Entscheidungen ab, die den Plan der Adipositasbehandlung verändern: ob Atemnot vor dem ersten Rezept abgeklärt werden muss, wie ein Blutwert bei Adipositas zu deuten ist und wie eine Gewichtsabnahme vor einem kardiologischen Eingriff geplant wird. Ein Mess- oder Untersuchungsergebnis muss verlässlich sein, bevor es eine Behandlungsentscheidung beeinflusst.
Woher kommt Atemnot bei Adipositas?
Bei Adipositas kann das zirkulierende Blutvolumen größer sein. An einer Studie, in der die Hämodynamik des Herzens und die Echokardiografie ausgewertet wurden, nahmen 99 Personen mit Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion und einem BMI von mindestens 35, 96 Personen mit derselben Erkrankung und einem BMI unter 30 sowie 71 Personen ohne Herzinsuffizienz teil. Das Plasmavolumen, unter anderem aus Hämatokrit und Körpergewicht geschätzt, wurde als Median angegeben: 3907 ml in der Gruppe mit Adipositas und 2772 ml in der Gruppe ohne Adipositas, also etwa 40 Prozent mehr. Hinzu kommt Fett um das Herz im Herzbeutel, das die Füllung der Herzkammern einschränken kann. Bei dieser Form der Erkrankung können eine höhere Belastung und eine eingeschränkte Füllung des Herzens die Atemnot bei Belastung verstärken. Ein Gruppenergebnis beschreibt nicht jeden Menschen mit Adipositas.
Atemnot hat viele mögliche Ursachen, darunter Lungenerkrankungen, Blutarmut, Herzerkrankungen und geringe körperliche Aktivität. Eine Gewichtsabnahme kann die Beschwerden lindern, eine Herzinsuffizienz erfordert aber eine kardiologische Behandlung, die das Abnehmen nicht ersetzt. Deshalb fragen wir, nach wie vielen Stufen der Patient stehen bleiben muss, ob er mit erhöhtem Kopf schläft, ob die Beine bis zum Abend anschwellen und ob er nachts wegen Luftnot aufwacht. Die Antworten helfen zu beurteilen, ob vor einem Rezept eine kardiologische Abklärung und eine Echokardiografie nötig sind, ersetzen aber keine Diagnostik.
Wie wird Adipositas bei Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion behandelt?
Bei dieser Form der Herzinsuffizienz ist die Ejektionsfraktion erhalten, doch Entspannung und Füllung der Herzkammern können gestört und die Drücke im Herzen erhöht sein. Bei Adipositas ist dies die häufigste Form der Erkrankung. Jahrelang war die Auswahl an Medikamenten sehr begrenzt. Heute sind SGLT2-Hemmer, die das Risiko von Krankenhausaufenthalten senken, ein wichtiger Bestandteil der leitliniengerechten Behandlung. Lange fehlten jedoch Studien zu Adipositasmedikamenten bei dieser Erkrankung.
Solche Daten lieferten zwei randomisierte Studien. In der Studie STEP-HFpEF erhielten 529 Personen mit Adipositas, dieser Form der Herzinsuffizienz und ohne Diabetes 52 Wochen lang Semaglutid 2,4 mg oder Placebo. Der Wert im Kansas-City-Fragebogen, in dem Patienten Beschwerden und Belastbarkeit bewerten und eine höhere Punktzahl weniger Beschwerden bedeutet, verbesserte sich um 16,6 gegenüber 8,7 Punkten. Das Körpergewicht sank um 13,3 gegenüber 2,6 Prozent, und die Gehstrecke im Sechs-Minuten-Test verlängerte sich um 21,5 gegenüber 1,2 Metern. In der Studie SUMMIT erhielten 731 Personen mit Adipositas und dieser Form der Herzinsuffizienz Tirzepatid oder Placebo, die mediane Beobachtungszeit betrug zwei Jahre. Kardiovaskulärer Tod oder eine Verschlechterung der Herzinsuffizienz traten bei 9,9 Prozent der Behandelten gegenüber 15,3 Prozent unter Placebo auf. Das relative Risiko für diesen kombinierten Endpunkt war um 38 Prozent niedriger, und der Unterschied ergab sich vor allem aus selteneren Verschlechterungen der Herzinsuffizienz.
Beide Arbeiten wurden in begutachteten medizinischen Fachzeitschriften veröffentlicht, und ihre Ergebnisse sind in den Fachinformationen beider Präparate beschrieben. Diese Beschreibung bedeutet keine Zulassung zur Behandlung der Herzinsuffizienz, deshalb verschreiben wir diese Medikamente nicht zu diesem Zweck. Die Studien zeigen nicht, welcher Teil der Verbesserung auf die Gewichtsabnahme selbst und welcher auf andere Wirkungen des Medikaments zurückgeht. Über Herzmedikamente entscheidet der Kardiologe, und die Adipositasbehandlung ersetzt sie nicht.
Hilft eine Gewichtsabnahme bei Vorhofflimmern und vor einer Ablation?
Adipositas ist neben Alkohol, Schlafapnoe und Bluthochdruck einer der beeinflussbaren Risikofaktoren für Vorhofflimmern. In einer Metaanalyse von 51 Studien mit 626 603 Personen gingen je 5 BMI-Punkte in Kohortenstudien mit um 29 Prozent höheren Chancen einher, an Vorhofflimmern zu erkranken. Derselbe BMI-Anstieg ging mit um 10 Prozent höheren Chancen auf Vorhofflimmern nach einer Herzoperation und um 13 Prozent höheren Chancen auf einen Rückfall nach Ablation einher. Ein Kardiologe kann daher eine Gewichtsabnahme vor dem Eingriff oder parallel zur Vorbereitung empfehlen.
Die australische Beobachtungsstudie LEGACY umfasste 355 Personen mit Vorhofflimmern und einem BMI von mindestens 27, die bis zu fünf Jahre begleitet wurden. Es gab keine zufällige Gruppenzuteilung, daher beschreibt das Ergebnis einen Zusammenhang und beweist keine Ursache. Bei Personen, die mindestens 10 Prozent abnahmen, war die Chance auf ein Überleben ohne Rückfall der Rhythmusstörung etwa sechsmal höher als bei Personen mit der geringsten Gewichtsabnahme. Gewichtsschwankungen über 5 Prozent gingen mit einem etwa doppelt so hohen Rückfallrisiko einher. Abnehmen und das Halten eines niedrigeren Gewichts können die Ergebnisse der Behandlung von Vorhofflimmern verbessern, garantieren aber nicht, dass der Eingriff nicht wiederholt werden muss. Den Termin der Ablation legt der Kardiologe fest.
Wie misst man den Blutdruck bei Adipositas und wann sollten Blutdruckmedikamente überprüft werden?
Bevor ein Arzt Bluthochdruck behandelt, braucht er eine verlässliche Messung. In einer Studie mit zufälliger Reihenfolge der Messungen bei 195 Personen lieferte dasselbe Gerät je nach Manschette unterschiedliche Werte. Bei Menschen, die eine XL-Manschette benötigten, überschätzte eine Standardmanschette den systolischen Druck im Mittel um 19,5 mmHg, bei Größe L um 4,8 mmHg. Bei sehr schlanken Armen, die Größe S benötigten, unterschätzte die Standardmanschette den Wert im Mittel um 3,6 mmHg. Das sind mittlere Messfehler aus der Studie, die nicht vom eigenen Wert abgezogen werden sollten. Entscheidend ist der auf der Manschette angegebene Bereich des Armumfangs. Ein solcher Fehler kann die Diagnose des Bluthochdrucks und die Wahl der Behandlung beeinflussen.
Bei verlässlicher Messung wird die Wirkung der Gewichtsabnahme auf den Blutdruck sichtbar. In einer Metaanalyse von 25 randomisierten Studien mit 4874 Teilnehmern betrug die mittlere Veränderung pro verlorenem Kilogramm 1,05 mmHg systolisch und 0,92 mmHg diastolisch. Bei manchen Patienten werden die bisherigen Dosen der Blutdruckmedikamente nach der Gewichtsabnahme zu hoch, weniger Medikamente sind aber nicht garantiert. Wir bitten um ein Blutdrucktagebuch und um Kontaktaufnahme, wenn beim Aufstehen Schwindel, Schwäche oder Schwächeanfälle auftreten, unabhängig vom gemessenen Wert. Eine Ohnmacht erfordert eine dringende ärztliche Beurteilung. Die Dosis ändert der Arzt, der den Bluthochdruck behandelt.
Was tun bei Herzklopfen und schnellerem Puls während der Behandlung?
GLP-1-Medikamente können die Herzfrequenz erhöhen. Die Fachinformation von Semaglutid zur Adipositasbehandlung nennt einen mittleren Anstieg um 3 Schläge pro Minute bei einem Ausgangswert von 72. Ein Anstieg um mindestens 10 Schläge pro Minute zu irgendeinem Zeitpunkt der Behandlung wurde bei 67 Prozent der Behandelten gegenüber 50,1 Prozent unter Placebo festgestellt. In Studien mit Tirzepatid bei Menschen mit Adipositas und bei Menschen mit Herzinsuffizienz stieg der Puls im Mittel um etwa 3 Schläge pro Minute. Studienmittelwerte klären nicht die Ursache von Herzklopfen bei einer einzelnen Person. Bei Patienten mit Vorhofflimmern oder koronarer Herzkrankheit achten wir besonders auf den Puls und notieren ihn vor der ersten Dosis.
Neues oder anhaltendes Herzklopfen sollte einem Arzt gemeldet werden. Mehrere Pulsmessungen in Ruhe und die Prüfung der Regelmäßigkeit helfen, einen einzelnen Anstieg von einer dauerhaften Veränderung zu unterscheiden. Ein unregelmäßiger Puls kann verschiedene Ursachen haben, und ein EKG hilft, sie zu erkennen. Der Arzt beurteilt auch Flüssigkeitshaushalt, andere Medikamente und die Notwendigkeit einer Behandlungspause, und die Fachinformation mancher Präparate empfiehlt, die Behandlung bei anhaltendem, relevantem Anstieg der Herzfrequenz abzubrechen. Herzklopfen mit Brustschmerzen, ausgeprägter Atemnot oder Ohnmacht erfordert dringende medizinische Hilfe.
Erschweren Herzmedikamente das Abnehmen?
Manche Herzmedikamente können eine Gewichtszunahme fördern. Eine systematische Übersicht über acht randomisierte Studien mit mindestens sechs Monaten Dauer ergab, dass das Körpergewicht am Studienende in den Gruppen mit Betablockern höher war als in den Kontrollgruppen. Der Median des Unterschieds betrug 1,2 kg, bei einer Spanne von −0,4 bis 3,5 kg, und die Zunahme trat in den ersten Monaten auf und nahm danach nicht weiter zu. Ein Studienmittelwert erklärt eine größere Zunahme bei einer einzelnen Person nicht und schließt sie auch nicht aus. Bei einer Gewichtszunahme nach einem Herzinfarkt prüft der Arzt verschiedene Ursachen, darunter Wassereinlagerungen.
Herzmedikamente sollten Patienten nicht selbst absetzen oder ändern, und ein Betablocker darf nicht plötzlich abgesetzt werden. Wenn ein Medikament das Abnehmen erschweren kann, beurteilt der Arzt, der die Herzbehandlung führt, dessen Indikation und eine mögliche Umstellung. Bei Diuretika achten wir an Tagen mit Erbrechen oder Durchfall auf ausreichende Flüssigkeit. Bei Gerinnungshemmern überprüft der behandelnde Arzt die Dosis, weil manche nach Körpergewicht und Nierenfunktion dosiert werden; nicht jede Gewichtsveränderung erfordert eine Dosisänderung. Vor einem geplanten Eingriff, auch einem kardiologischen, informiert der Patient das Behandlungsteam über all diese Medikamente und über das GLP-1-Medikament, weil eine verzögerte Magenentleerung die Vorbereitung auf die Narkose verändern kann.
Die folgende Tabelle hilft, eigene Befunde einzuordnen, und ersetzt keine ärztliche Beurteilung. Sie zeigt die Untersuchung, den Faktor, der bei Adipositas den Wert verfälscht, unser Vorgehen und kurz die Auswirkung auf den Wert.
| Untersuchung oder Messung | Was bei Adipositas den Wert verfälscht | Unser Vorgehen | Auswirkung |
|---|
Blutdruck | Eine Standardmanschette überschätzte in einer Studie bei Menschen, die Größe XL benötigten, den systolischen Druck im Mittel um 19,5 mmHg | Wir bitten um die Messung des Oberarmumfangs und empfehlen für zu Hause ein Oberarmgerät mit passender Manschette | Wert zu hoch |
Natriuretisches Peptid NT-proBNP | Bei Adipositas ist die Konzentration oft niedriger, sodass ein normaler Wert eine Herzinsuffizienz nicht ausschließt | Bei Beschwerden beendet ein normaler Wert die Abklärung nicht; über weitere Untersuchungen, einschließlich Echokardiografie, entscheidet der Arzt | Wert zu niedrig |
Echokardiografie | Schlechteres Schallfenster, manche Messungen sind unsicher oder gelingen nicht | Wir bitten um einen Befund mit Angabe der Bildqualität; über weitere Verfahren, einschließlich Herz-MRT, entscheidet der Kardiologe | schlechteres Bild |
Sechs-Minuten-Gehtest | Die Strecke begrenzen Körpergewicht und Gelenkschmerzen, nicht nur die Herzleistung | Zeitpunkt und Bedingungen der Wiederholung legt das Behandlungsteam fest, eine nachlassende Belastbarkeit erfordert eine frühere Beurteilung | kürzere Strecke |
Ruhepuls | Semaglutid erhöhte den Puls im Mittel um 3 Schläge pro Minute, einzelne Anstiege um mindestens 10 Schläge kamen auch unter Placebo vor | Wir notieren den Puls vor der ersten Dosis und bei Kontrollen, unterscheiden eine Einzelmessung von einer anhaltenden Veränderung und veranlassen bei Unregelmäßigkeit ein EKG | höherer Puls |
Körpergewicht zu Hause | Wassereinlagerungen und die Diuretikadosis können das Gewicht innerhalb eines Tages um Kilogramm verändern | Wir bitten, morgens nach dem Toilettengang auf derselben Waage zu wiegen und Knöchelschwellungen zu notieren; eine Zunahme um 2 kg in drei Tagen kann auf Wassereinlagerungen hinweisen und ist ein Grund zur Kontaktaufnahme gemäß dem Behandlungsplan bei Herzinsuffizienz, ausgeprägte Atemnot erfordert dringende Hilfe | Schwankungen |