Atemnot bei Belastung ist ein häufiges Symptom bei Menschen mit Adipositas. Sie kann mehrere gleichzeitige Ursachen haben, deshalb fragen wir nach ihrem Verlauf und der bisherigen Diagnostik, auch Patienten, die die Atemnot selbst nicht erwähnen. Dieser Abschnitt beschreibt Atemnot, die seit Wochen oder Monaten besteht. Plötzliche oder rasch zunehmende Atemnot erfordert sofortige medizinische Hilfe.
Woher kommt Atemnot bei gesunden Lungen?
Fett am Bauch und am Brustkorb drückt das Zwerchfell nach oben, verringert die Luftmenge, die nach normalem Ausatmen in der Lunge bleibt, und erhöht die Arbeit der Atemmuskulatur bei jedem Atemzug. In einer Studie mit 373 Personen mit normal durchgängigen Bronchien wurde gemessen, wie sich die Lungenvolumina mit dem BMI verändern. In dieser Gruppe betrug bei einem BMI von 30 die nach normalem Ausatmen verbleibende Luftmenge 75 Prozent und die Menge, die noch zusätzlich ausgeatmet werden kann, 47 Prozent der Werte bei einem BMI von 20. Die größten Veränderungen traten bereits bei Übergewicht und Adipositas Grad I auf. Die übrigen Lungenvolumina lagen im Durchschnitt im Normbereich, weshalb die Spirometrie auch bei deutlicher Atemnot normal ausfallen kann. Die Ergebnisse beschreiben einen Zusammenhang in der untersuchten Gruppe und sagen nicht das Ergebnis jeder Person mit einem bestimmten BMI voraus. In einer Metaanalyse von sieben Studien mit mehr als 333.000 Erwachsenen waren Übergewicht und Adipositas bei beiden Geschlechtern mit einer häufigeren Entwicklung von Asthma verbunden, und der Zusammenhang war bei Adipositas stärker.
Wie wird die Ursache der Atemnot festgestellt?
Die Diagnostik richtet sich nach Anamnese und ärztlicher Untersuchung. Die Spirometrie mit Bronchospasmolysetest hilft, Störungen des Luftstroms zu erkennen, doch ein einzelner normaler Befund schließt weder Asthma noch alle Ursachen der Atemnot aus. Der Arzt kann eine Wiederholung der Spirometrie, Peak-Flow-Messungen (PEF) zu Hause oder andere Untersuchungen empfehlen. Die folgende Übersicht ordnet die Fragen, die wir beim Termin stellen. Sie erleichtert das Gespräch mit dem Arzt und dient nicht zur Selbstdiagnose.
| Symptom oder Untersuchung | Asthma | COPD | Einfluss des Gewichts |
|---|
Wann die Atemnot auftritt | Oft anfallsartig, auch nachts und am frühen Morgen | Nimmt allmählich zu, zuerst bei Belastung | Bei Belastung |
Pfeifende Atmung | Häufig beim Ausatmen, ihr Fehlen schließt Asthma aber nicht aus | Kann vorkommen | Meist keine |
Husten | Oft trocken und anfallsartig, z. B. nach kalter Luft | Anhaltend, oft mit Auswurf | Meist selten |
Reaktion auf ein bronchienerweiterndes Medikament | Oft deutliche Erleichterung, die allein die Diagnose aber nicht bestätigt | Unterschiedlich, grenzt COPD nicht sicher von Asthma ab | Gering |
Ergebnis der Spirometrie | Wechselnde Verengung der Bronchien, oft mit Besserung nach dem Medikament | Verengung der Bronchien, die nach dem Medikament bestehen bleibt | Oft normal |
Nach einer Gewichtsabnahme | Bessere Krankheitskontrolle möglich | Plan hängt von Ernährungszustand und Muskulatur ab | Kann nachlassen |
Eine kanadische Studie untersuchte 496 Erwachsene, bei denen zuvor ein Arzt Asthma diagnostiziert hatte. Nach wiederholter diagnostischer Abklärung mit ärztlich überwachtem Absetzen der Medikamente wurde Asthma bei 31,8 Prozent der Personen mit Adipositas und 28,7 Prozent der Personen ohne Adipositas nicht bestätigt. Von den Personen, bei denen Asthma ausgeschlossen wurde, brauchten 65,5 Prozent in den folgenden sechs Monaten der Beobachtung weder Medikamente noch Arzttermine wegen Atemnot. Adipositas erhöhte das Risiko einer Fehldiagnose nicht, da die Anteile in beiden Gruppen ähnlich waren. Eine früher ohne Untersuchungen gestellte Asthmadiagnose kann der Arzt also überprüfen, doch Inhalationsmedikamente setzt der Patient nicht eigenmächtig ab.
Was verändert eine Gewichtsabnahme bei Asthma?
Eine randomisierte Studie aus Finnland umfasste 38 Personen mit Asthma und einem BMI von 30 bis 42. Die Abnehmgruppe folgte einer ärztlich überwachten sehr kalorienarmen Diät, die schneller war als das Tempo, das wir unseren Patienten vorschlagen. Nach einem Programm mit einer achtwöchigen Diät war das Gewicht in dieser Gruppe um 14,5 Prozent geringer, in der Vergleichsgruppe um 0,3 Prozent. Nach einem Jahr wog die erste Gruppe 11,3 Prozent weniger als zu Beginn, die zweite 2,2 Prozent mehr. Die Einsekundenkapazität (FEV1), also die in der ersten Sekunde ausgeatmete Luftmenge und das wichtigste Maß für die Durchgängigkeit der Bronchien, veränderte sich in der Abnehmgruppe günstiger als in der Vergleichsgruppe. Der Unterschied der Veränderungen zwischen den Gruppen betrug am Ende des Programms 7,2 Prozentpunkte des Sollwerts und nach einem Jahr 7,6 Punkte, bei der Vitalkapazität am Ende des Programms 8,6 Punkte. Gesondert wurden Daten von 3073 Erwachsenen mit mittelschwerem Asthma aus vier Studien zu krankheitskontrollierenden Medikamenten ausgewertet. In dieser Post-hoc-Analyse war die Wirkung eines inhalativen Kortikosteroids umso schwächer, je höher der BMI war, während die Wirkung von Montelukast ähnlich blieb. Das Ergebnis stammt aus einer erneuten Auswertung von Daten, die zu einem anderen Zweck erhoben wurden, und ist kein Grund, ein Inhalationsmedikament zu wechseln.
Daten zur operativen Behandlung stammen aus Beobachtungsstudien. Eine Übersicht über 33 Studien mit 3731 Asthmapatienten nach bariatrischer Operation berichtete, dass 47 Prozent ihre Asthmamedikamente absetzten, bei 58 Prozent eine Remission des Asthmas festgestellt wurde und FEV1 sowie Vitalkapazität um 8 bis 9 Prozentpunkte stiegen. Remission bedeutet in solchen Studien keine dauerhafte Heilung, und die Ergebnisse sind keine Anleitung zum Absetzen von Medikamenten. In Beobachtungsstudien hatten Menschen, die GLP-1-Analoga einnahmen, weniger Asthmaanfälle, doch andere Faktoren können das Ergebnis beeinflusst haben. Die Wirksamkeit dieser Medikamente bei Asthma muss in randomisierten Studien bestätigt werden. Patienten ändern die Dosis ihrer Inhalationsmedikamente nicht selbst; über eine Änderung entscheidet der behandelnde Asthmaarzt nach erneuter Beurteilung der Krankheitskontrolle.
Wie viele Kilogramm kommen nach dem Rauchstopp hinzu, und was tun wir dagegen?
Eine Auswertung von 62 Studien ergab, dass Menschen, die ohne medikamentöse Unterstützung mit dem Rauchen aufhörten, nach einem Monat im Durchschnitt 1,1 kg mehr wogen, nach drei Monaten 2,9 kg, nach sechs Monaten 4,2 kg und nach einem Jahr 4,7 kg. Die Ergebnisse einzelner Personen unterschieden sich stark: Nach einem Jahr wogen 16 Prozent weniger als am Tag des Rauchstopps, 37 Prozent hatten weniger als 5 kg zugenommen, 34 Prozent 5 bis 10 kg und 13 Prozent mehr als 10 kg. In einer Studie mit mehr als dreitausend Personen, die im Durchschnitt ein Vierteljahrhundert beobachtet wurden, nahmen diejenigen, die in den vorangegangenen vier Jahren mit dem Rauchen aufgehört hatten, in dieser Zeit im Median 2,7 kg zu, wenn sie keinen Diabetes hatten, und 3,6 kg mit Diabetes. Trotz der Gewichtszunahme hatten sie weniger Herz-Kreislauf-Ereignisse als Menschen, die weiter rauchten. Bei Personen ohne Diabetes war das Ergebnis statistisch belastbarer, bei Diabetes waren die Schätzungen ungenauer. Der Nutzen des Nichtrauchens überwiegt die Folgen der Gewichtszunahme.
Die Gewichtskontrolle planen wir parallel zur Unterstützung beim Nichtrauchen. Für manche Menschen ist das erste Ziel, die Gewichtszunahme zu begrenzen. Wir sprechen das im Erstgespräch an, damit der Patient ein stabiles Gewicht nicht als Misserfolg empfindet. Die Ernährungsfachkraft hilft, Mahlzeiten zu planen und mit Süßigkeiten umzugehen, zu denen der Patient statt zur Zigarette greift. Tempo der Gewichtsabnahme und ein mögliches Medikament stimmt der Arzt auf den Gesundheitszustand ab, ohne vorgeschriebene Wartezeit nach dem Rauchstopp.