Adipositas kann den Blutfluss und den Druck in den Nierenkörperchen, den Glomeruli, erhöhen. Eine übermäßige Filtration, die Hyperfiltration, ist ein möglicher Mechanismus der Nierenschädigung, führt aber nicht bei jedem Menschen mit Adipositas zu einer Nierenkrankheit. Die adipositasassoziierte Glomerulopathie ist eine Form der Glomerulusschädigung, die in einer Nierenbiopsie festgestellt wird. In einer amerikanischen Arbeit mit 6818 Biopsien stieg ihr Anteil von 0,2% in den Jahren 1986 bis 1990 auf 2,0% in den Jahren 1996 bis 2000; der durchschnittliche BMI der Betroffenen lag bei 41,7. Die Daten stammen aus Biopsieuntersuchungen und beschreiben nicht, wie häufig diese Krankheit bei den Einwohnern von Opole ist.
Wie hing der BMI in einer Studie mit dem Risiko für terminales Nierenversagen zusammen?
In einer Kohorte von 320.252 Erwachsenen aus Kalifornien, die durchschnittlich 26 Jahre beobachtet wurden, verglich man das Risiko für terminales Nierenversagen, also für Dialyse oder Transplantation, mit dem Risiko von Menschen mit Normalgewicht. Das relative Risiko betrug 1,87 bei Übergewicht, 3,57 bei Adipositas Grad I, 6,12 bei Adipositas Grad II und 7,07 bei einem BMI ≥40. Der Zusammenhang blieb bestehen, nachdem ausgewählte andere Faktoren wie Blutdruck und Diabetes berücksichtigt wurden. Als Beobachtungsstudie beweist sie jedoch nicht, dass Adipositas allein das Nierenversagen verursacht.
Eine Metaanalyse von 39 Kohorten mit 630.677 Menschen, die zu Beginn eine normale Nierenfunktion hatten, zeigte einen Zusammenhang zwischen Adipositas und einem höheren Risiko, dass die eGFR unter 60 ml/min/1,73 m² sinkt (RR 1,28) und eine Albuminurie auftritt (RR 1,51). Das entspricht einem relativen Risikoanstieg um 28% und 51%. Die Ergebnisse der einzelnen Studien unterschieden sich, und die Zahlen der Metaanalyse sind keine Prognose für einen einzelnen Patienten.
Wie lesen wir Nierenwerte, und was bedeuten sie für die Behandlung?
| Befund | Bedeutung und unser Vorgehen | KDIGO-Kategorie |
|---|
eGFR ≥60 ml/min/1,73 m² | Normale oder leicht verminderte Filtration; der Befund schließt eine CKD nicht aus. Wir beurteilen auch Albuminurie und andere Auffälligkeiten und wählen Dosis und Kontrollen passend zum Präparat und zum Gesundheitszustand. | G1-G2 |
eGFR 30-59 ml/min/1,73 m² | Mäßig verminderte Filtration; eine CKD wird diagnostiziert, wenn die Veränderung mindestens drei Monate anhält. Wir beurteilen Dauer der Veränderung, ACR und weitere Befunde; ein neuer auffälliger Wert wird ohne dreimonatiges Abwarten beurteilt. | G3a-G3b |
eGFR <30 ml/min/1,73 m² | Schwere Nierenfunktionsstörung. Nötig sind eine nephrologische Beurteilung und die Wahl eines Medikaments gemäß seiner Fachinformation; Wegovy und Saxenda werden bei schwerer Nierenfunktionsstörung nicht empfohlen. | G4-G5 |
ACR <30 mg/g | Normale oder leicht erhöhte Albuminausscheidung. Der Befund schließt eine CKD aus anderen Ursachen nicht aus; den nächsten Test legen wir individuell fest. | A1 |
ACR 30-300 mg/g | Mäßig erhöhte Albuminurie. Wir beurteilen und bestätigen den Befund unter Berücksichtigung von Blutdruck, Blutzucker und eGFR. | A2 |
ACR >300 mg/g | Stark erhöhte Albuminurie. Weitere Diagnostik ist nötig, einschließlich der Frage, ob eine nephrologische Beratung indiziert ist; der ACR allein bestimmt nicht das gesamte CKD-Stadium. | A3 |
Die Diagnose einer chronischen Nierenkrankheit erfordert Veränderungen, die mindestens drei Monate bestehen. Ein neuer auffälliger Befund wird trotzdem nicht bis zum Ablauf dieses Zeitraums ohne Beurteilung gelassen. Der Arzt entscheidet, ob eine dringende Diagnostik, eine Wiederholung des Tests oder ein Vergleich mit früheren Befunden nötig ist.
Wer braucht eine besonders sorgfältige Kontrolle der Nierenfunktion?
Eine sorgfältige Kontrolle der Nierenfunktion brauchen Menschen mit Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Nierensteinen oder Nierenerkrankungen in der Familie, außerdem Menschen, die dauerhaft NSAR einnehmen, und Patienten nach einer akuten Nierenschädigung, zum Beispiel nach schwerem Flüssigkeitsmangel. Das Alter ist ein Risikofaktor, bedeutet aber allein noch keine CKD-Diagnose. Auch eine frühere Untersuchung mit Kontrastmittel bedeutet nicht automatisch eine Nierenschädigung. Präparat und Tempo der Dosissteigerung wählt der Arzt nach Nierenfunktion, Verträglichkeit und Fachinformation; es gibt keine einheitliche reduzierte Anfangsdosis für die gesamte Risikogruppe.
Was zeigen Studien zur Adipositasbehandlung und zum Nierenschutz?
Die Studie FLOW schloss 3533 Menschen mit Typ-2-Diabetes und CKD ein. Bei Einnahme von Semaglutid 1 mg einmal wöchentlich war das Risiko für einen kombinierten Endpunkt relativ um 24% niedriger als unter Placebo, bei einer medianen Beobachtungszeit von 3,4 Jahren. Dieser Endpunkt umfasste Nierenversagen (Dialyse, Transplantation oder anhaltende eGFR <15), einen anhaltenden eGFR-Abfall um mindestens 50% sowie Tod aus renalen oder kardiovaskulären Gründen. Die 24% beziehen sich auf den gesamten kombinierten Endpunkt und bedeuten nicht, dass das Risiko jedes einzelnen Ereignisses gleich stark sank. Die Studie wurde nach einer geplanten Zwischenanalyse vorzeitig beendet.
Die Nierenanalyse der Studie SELECT betraf Menschen mit Übergewicht oder Adipositas, bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung und ohne Diabetes. Sie untersuchte einen anderen kombinierten Endpunkt, der auch eine anhaltende Makroalbuminurie umfasste; der kardiovaskuläre Tod war kein Bestandteil. Ein Ereignis dieses Endpunkts trat bei 1,8% der Menschen unter Semaglutid 2,4 mg und bei 2,2% unter Placebo auf, die Hazard Ratio (HR) betrug 0,78. Der absolute Unterschied lag bei 0,4 Prozentpunkten, die relative Risikoreduktion bei 22%. Der Nutzen ging vor allem auf Veränderungen der Makroalbuminurie und einen anhaltenden eGFR-Abfall um mindestens 50% zurück; das Ergebnis bedeutet nicht 22% weniger Dialysen.
In einer separaten randomisierten Studie mit 101 Menschen mit CKD, einem BMI ≥27 und ohne Diabetes senkte Semaglutid das Albumin-Kreatinin-Verhältnis im Urin (UACR) nach 24 Wochen um 52,1% im Vergleich zu Placebo. In der behandelten Gruppe selbst sank der Wert gegenüber dem Ausgangswert um etwa 48,6%. Die Studie untersuchte die Albuminausscheidung und prüfte nicht, ob Dialysen oder Todesfälle abnahmen.
In einer bariatrischen Kohorte wurden 4322 operierte Menschen mit 30.919 nicht operierten Menschen verglichen, die durchschnittlich 6,1 Jahre beobachtet wurden. Die Operation war mit einem geringeren Risiko für ein kombiniertes Nierenereignis verbunden: Die HR betrug 0,47 bei Menschen mit Diabetes und 0,52 bei Menschen ohne Diabetes. Diese Beobachtungsstudie klärt nicht, welcher Teil des Nutzens auf die Gewichtsabnahme zurückging, und vergleicht die Operation nicht direkt mit moderner medikamentöser Therapie.
Wie beeinflusst die Nierenfunktion die Wahl des Medikaments?
Wegovy erfordert bei leichter und mäßiger Nierenfunktionsstörung keine Dosisanpassung, bei einer eGFR <30 ml/min/1,73 m² wird die Anwendung jedoch nicht empfohlen. Saxenda wird bei einer Kreatinin-Clearance <30 ml/min nicht empfohlen. Mounjaro erfordert auch bei terminaler Niereninsuffizienz keine Dosisanpassung, die Erfahrung in dieser Gruppe ist jedoch begrenzt und die Behandlung erfordert Vorsicht. Mysimba ist bei terminaler Niereninsuffizienz kontraindiziert, bei mäßiger und schwerer Nierenfunktionsstörung beträgt die Höchstdosis zwei Tabletten täglich. Diese Regeln gelten für die genannten Präparate und ihre Indikationen und werden deshalb nicht automatisch auf andere Semaglutid-Präparate übertragen.
Orlistat kann die Oxalatausscheidung im Urin erhöhen und zu einer Oxalatnephropathie führen, also zu Kristallablagerungen in den Nieren. Dieses Risiko verdient bei CKD und Flüssigkeitsmangel besondere Aufmerksamkeit. Im Juni 2026 ergänzte die US-Arzneimittelbehörde FDA die Kennzeichnung von rezeptfreiem Orlistat 60 mg in den USA um eine Warnung, nachdem sie 12 Meldungen aus den Jahren 2007 bis 2023 ausgewertet hatte. Aus den Meldungen lässt sich nicht berechnen, wie häufig diese Komplikation auftritt. Auch die europäische Fachinformation von Xenical beschreibt das Nierenrisiko.